Spätestens mit dem Vorstoß der Alliierten Streitkräfte auf deutsches Heimatgebiet im Anfang des Jahres 1945 und mit der einsetzenden Massenflucht von Ostdeutschen vor den anrückenden Sowjetarmeen zeichnete sich ab, dass der Zweite Weltkrieg für Deutschland verloren war.
Am 8. Mai 1945 mussten die drei deutschen Wehrmachtsteile (Heer, Marine und Luftwaffe) kapitulieren. Der Teil der Ostdeutschen, der nicht flüchten konnte oder nicht wollte, wurde später gemäß der Bestimmung des Potsdamer Abkommens der drei Alliierten (Stalin, Truman, Attlee) vom 1. August 1945 aus seiner ostdeutschen Heimat vertrieben.
Insgesamt strömten 15 Millionen Ostdeutsche in das Gebiet westlich der Oder und Neiße. Und bis zum Bau der Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland strömten abermals Hunderttausende in die Bundesrepublik ein, weil sie unter der kommunistischen Herrschaft im Ostteil Deutschlands nicht leben wollten.

Nach dieser in der Geschichte Europas größten Völkerwanderung, die sich in vier Wellen vollzog (1. Ausgebombte und Evakuierte – 2. Kriegsflüchtlinge – 3. Heimatvertriebene nach Kriegsende – 4. Ostzonenflüchtlinge), wurde auch unsere Gemeinde vor eine Vielzahl von fast unlösbaren Problemen gestellt.
Es galt, zusätzlich zum Stamm von 650 einheimischen Bürgern weitere 550 fast völlig mittellose Neubürger unterzubringen und zu versorgen.
Die Überbelegung der Häuser war nicht zu vermeiden, wenn sich auch häufig unter Zwang viele Familien mit sehr beengten Wohnverhältnissen abfinden mussten. Diese Einschränkungen führten verständlicherweise im Laufe der Zeit zu Spannungen zwischen den verschiedenen Schichten unserer Bevölkerung. Der Rat der Gemeinde war sich bald einig in der Ansicht, dass hinsichtlich der Beschaffung zusätzlichen Wohnraums so schnell wie möglich etwas geschehen musste.
So entschloss sich die Gemeinde im Einverständnis mit Lyhren im Jahre 1950, das erste Siedlungsgebiet zur Verfügung zu stellen. Deshalb verkaufte der Schulzweckverband das ihm gehörende Gelände gegenüber dem Friedhof (Neue Straße und Feldstraße) an Baulustige für 1 DM pro qm, natürlich nur im Tausch gegen gekauftes Land, damit dem Verband daraus keine Nachteile erwuchsen. Dieses war der Anfang der darauf einsetzenden rasanten Bautätigkeit.
Kraft der inzwischen genehmigten Bebauungspläne wurden sodann die folgenden Straßen erschlossen und auf dem angrenzenden Baugelände insgesamt 174 neue Häuser errichtet.

Abb. 1: Übersicht der neu gebauten Häuser nach dem Zustrom der Flüchtlinge.