Die Familie von Münchhausen
Bereits im frühen Mittelalter hatten die Sachsenherzöge Erbgüter in Apelern, die später an die Welfen und Askanier fielen und von Heinrich dem Löwen und Albrecht dem Bären dem Kloster Lamspringe überwiesen wurden. Im Jahre 1369 erwarb die Familie von Münchhausen, die zu den ältesten schaumburgischen Adelsgeschlechtern gehört, Lehnsbesitz aus der Hand des Grafen Otto von Schaumburg in Apelern. Aus ihm entwuchs das Rittergut am Südausgang des Dorfes, das heute noch Münchhausenscher Besitz ist, wenn auch nicht in direkter Linie der Ahnen.

Bild: M v. Münchhausen

Abb. 1: Nord-West Ansicht des Rittergutes, die „Graft-Brücke“ wurde in den 1970er Jahren abgerissen

Der Adelssitz wurde im Zeitalter der Renaissance zur Wasserburg ausgebaut. In ihrem heutigen Zustand ist die Münchhausen-Burg noch völlig vom alten Wassergraben „Gracht“ bzw. „Graft“ umgeben. Über eine steinerne Brücke, deren Platz früher eine Zugbrücke einnahm (noch sichtbarer Rahmen im Sandstein), gelangt man durch ein mit einem Uhrtürmchen gekrönten Torgebäude in den fast rechteckigen Burghof (Wirtschaftshof ). Der Wirtschaftshof ist nach allen Seiten durch Wirtschaftsgebäude und dem Herrenhaus, an das sich ein Turm anlehnt, abgegrenzt. Vom Turm aus ist gut zu beobachten, was innerhalb und außerhalb der Burg vor sich geht. Die Familie v. Münchhausen stammt ursprünglich aus dem nicht mehr vorhandenen Dorfe Münchhausen in der Nähe des Klosters Loccum in der Gemarkung Winzlar. Durch die Nähe zum Kloster führt sie den „Mönch“ im Wappen. Mit „Rembertus, pater Gyselheri de Monechusen“, wird Rembertus I. als Zeuge in einer von Bischof Anno von Minden in „Monechusen“ für das Kloster Loccum ausgestellten Urkunde im Jahre 1183 zuerst urkundlich erwähnt. Er stellt die erste Generation dar. In der vierten Generation gibt es zwei Brüder, Giseler und Justacius, von ihnen stammen alle späteren Münchhausen ab. Es entsteht die weiße und die schwarze Linie. Die schwarze wurde u.a. in Rinteln und Bodenwerder ansässig. So lebte in Bodenwerder im 18. Jahrhundert der durch seine „abenteuerlichen Geschichten“ berühmt gewordene Hieronymus von Münchhausen. Die weiße Linie fasste in mehreren Zweigen u.a. in Apelern, Lauenau und Oldendorf Fuß.
Wenn man der mit dem Wappen versehenen Schmucktafel an der Außenwand des Herrenhauses folgt, dann wurde es mit dem mit einer Wendeltreppe versehenen Turm im Jahre 1561 erbaut bzw. erneuert. Da auch am Torgebäude eine Tafel mit dem Wappen und der Aufschrift
„Anno Domini 1595 NACH GOTT UND EHR STEHT MEIN BEGER CLAVS VON MONNICHHAVSEN“
hängt, kann man annehmen, dass die Steinbrücke und das Torgebäude im Jahre 1559 fertiggestellt wurden.

Es war vorauszusehen, dass die Burganlage mit der Zeit zu eng werden würde. Deshalb sah sich der Burgherr genötigt, zusätzliche Gebäude außerhalb der Schutzburg anlegen zu lassen. Da fällt zunächst das schmucke Fachwerkhaus des Gutsgärtners am Ende des Burgparks ins Auge. Ein Stadthaus aus Hameln, das ebenfalls im Jahre 1595 entstanden war und Holzwerk eines Hauses aus Deckbergen in sich aufnahm. Hier errichtet 1902. Die ebenfalls außerhalb der Burg stehenden zusätzlichen Wirtschaftsgebäude (Schafstall und die „Neue Scheune“) entstanden zwischen 1830 und 1864. Und sechzig Jahre später (1912/13), als die Ernteerträge auf der 173 Hektar großen Gutsfläche noch weiter anstiegen, ließ der Gutsherr die große Feldscheune errichten. Diese Feldscheune war das erste patentierte Gebäude, welches mit einer 1/4-steinigen Außenwand versehen ist. Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914) entstand im Burgpark auch das „Neue Mausoleum“. Es war das Werk des Maurermeisters Heinrich Köneke aus Rodenberg. (Anm.: Als Vorbild diente dem Bauherrn Börries Frhr.v.Münchhausen die Allerheiligenkapelle im Kreuzgang am Dom zu Regensburg). Seit der Zeit wurde niemand mehr im „Alten Mausoleum“ an der Kirche beigesetzt.

Bild: Matthias von Münchhausen

Abb. 2: Blick in den Innenhof des Ritterguts aus dem Jahr 1910

Um die Familiengeschichte der letzten einhundert Jahre zu erfassen, ist es zweckmäßig, bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückzugehen. In jener Zeit hieß der Gutsherr Alexander Freiherr v. Münchhausen. Er wurde im Jahre 1816 geboren. Im Alter von vierunddreißig Jahren (1850) war er Ministerpräsident unter König Georg von Hannover. Minister Alexander von Münchhausen lebte im Gegensatz zu seinen Nachfahren auf seinem Apelerner Stammsitz nach feudaler Manier so, wie es sich damals für einen königlichen Minister geziemte. Eine vierspännige Kutsche benutzte er als Dienstfahrzeug auf seinen Fahrten zwischen der Residenz und seinem Adelssitz. Zur Erinnerung an seinen Dienst im Herrscherhaus zu Hannover gibt es noch heute im Herrenhaus der Wasserburg eine „Ministerstube“. Ihm mag es von dort aus in den Sinn gekommen sein, auch Besitzer eines standesgemäßen Burgparks zu sein. Ihm haben die Nachfahren und die Dorfbewohner den großzügigen Ausbau der Parkanlage zu verdanken.

Da das Haus Hannover im preußisch-österreichischen Krieg (1866) an der Seite Österreichs seine Souveränität einbüßte, bat Minister Alexander den Preußenkönig Wilhelm I. vergeblich um den Status quo ante (die vorherige, politische Selbständigkeit) für das Haus Hannover. Seit dieser herben Enttäuschung soll er einen Preußenhass entwickelt haben. Er starb im Jahre 1886.
Neuer Burgherr wurde der im Jahre 1845 geborene Vetter Börries. Dieser erbte bzw. übernahm insgesamt fünf Güter und eine Hofstelle (Apelern, Nienfeld, Remeringhausen, Moringen, Parensen und Oberbillingshausen) und kaufte das Gut Windischleuba dazu. Seit dem Jahre 1878 trug er den Titel eines Herzoglich Sachsen-Altenburgischen Kammerherrn. Er hatte wie sein Vater keine Neigung oder Veranlassung, sich mit „den Preußen“  zu versöhnen. (Anm.: Eine Auseinandersetzung mit einem preußischen Vorgesetzten ließ ihn seine Karriere als Verwaltungsjurist quittieren. Er konnte es sich leisten. Die Verwaltung der Güter war Arbeit genug. Im „Hannöverschen“ und darum herum hätte er, aus einer der Welfentreue verdächtigen Familie, sowieso keine leitende Anstellung bekommen.)
Es war ihm daher sehr willkommen, wenn er von uns Dorfbewohnern mit dem Titel „Kammerherr“ angesprochen wurde. Seine beiden Söhne, Börries und Hans-Georg, zogen es aus dem gleichen Grunde vor, ihren Militärdienst bei den sächsischen Garde-Reitern abzuleisten und nicht in einer preußischen Einheit..
Der Kammerherr zeigte sich stets von der bescheidenen und sparsamen Seite. Weil er sich die Zigarre stets mit einem Fidibus anzündete, kamen einige Burgbesucher zu der Annahme, dass er dadurch Streichhölzer einsparen wollte und als die Zigarren im Kriege immer teurer wurden, beendete er das Rauchen.
Die Pflege der Parkanlage und der gutseigenen Gemüse-Gärtnerei lag ihm besonders am Herzen. Hierfür hielt er sich einen Gärtner (Anm.: Gärtner Kehne, der seinen Sohn ebenfalls Börries nannte) mit Helfer und im Sommer zusätzlich mehrere Frauen.

Abb. 3: Das 1902 erbaute Gärtnerhaus. Es wurde aus dem Giebel eines abgetragenen Fachwerkhauses aus Hameln und dem Holzwerk eines Hauses aus Deckbergen errichtet.

Seinen erstgeborenen Sohn Börries nannte man den „Dichter“. Da der Dichter einen Teil seines Urlaubs auf dem väterlichen Gut verbrachte und das Herrenhaus in dieser Zeit zum Musentempel machte, nennt man das betreffende Wohnzimmer noch heute die „Dichterstube“. Als der Kammerherr im Jahre 1931 starb und im „Neuen Mausoleum“ beigesetzt wurde, erbte der „Dichter“ Börries die Güter Moringen, Parensen, Windischleuba und den Hof Oberbillingshausen. Sein Domizil war das Gut Windischleuba, wo er im Alter von 71 Jahren (1874 – 1945) beim Einmarsch der Russen seinem Leben ein Ende setzte.
Der jüngere Bruder des Dichters Börries, Hans-Georg, erlitt im Ersten Weltkrieg eine Verwundung. Von seinem Vater, dem sachsen-altenburgischen Kammerherrn, erbte er die Güter Apelern, Nienfeld und Remeringhausen. Zu seinem Hauptsitz machte er die Apelerner Wasserburg. In den Jahren von 1918 bis 1920 bekleidete er das Amt des Landrats im Kreise Wittlage. Er schien den Amtstitel „Landrat“ dem Erbtitel „Baron“ vorzuziehen, und deshalb bürgerte sich die Anrede „Landrat“ ein.

Der Dichter Börries mit dem Komma

Der auf sein Komma großen Wert legende Balladendichter Börries, Freiherr von Münchhausen (1874-1945) steht an einem  späten Sommerabend  des Jahres 1912 versonnen am offenen Fenster der Büschenstube in Apelern. Draußen regnet es.

 

Abend in Apelern

Volkslieder, sehnsuchtsvolle, noch im Ohr,

Die wir am Abend mit den Kindern sangen,

Stieg ich zur Büschenstube spät empor

Und bin ans offne Fenster hingegangen.

Wie rauschte draußen laut die laue Nacht!

Der Regen schlug die Graft mit tausend Perlen,

Im Nachtwind brausten die Kastanien sacht,

Und rauschend rann der Bach durch graue Erlen.

Und aus dem Rauschen wurde ein Gesang:

„Es fängt schon an zu dunkeln,“ sang es leise,

Aus meiner alten Heimat Garten klang

Die hundertmal darin gesungne Weise!

 

Apelern ist uralte Münchhausen-Heimat. 1183 unterschreibt ein erster „Monichuson“  im Kloster Loccum eine Urkunde. In Apelern sind sie seit 1377 begütert. Den Renaissance-Bau im Vordergrund des Fotos errichten 1561 Börries von Münchhausen (1515-1583) und seine Frau Heilwig Büschen(1537-1599).

Nach ihr ist die Büschen-Stube benannt. Wenn man vom „Hofgarten“ (Abb. 1) schaut, ist sie im ersten Stock links unterm Dach im Schatten, die Stube mit dem Erker und dem Blick in den Park über die karpfenbesetzte Graft und den dahinter vorbeirauschenden erlenbestandenen Riesbach. Börries der Dichter ist der älteste Sohn des (wiederum) Börries von Münchhausen und der Clementine v.d.Gabelentz.  Dieser Vater Börries (1845-1931) hat 1887 in Schaumburg die Güter Apelern und Nienfeld vom letzten königlich hannöverschen Premierminister Alexander von Münchhausen und Remeringhausen von einem anderen kinderlosen Vetter übernommen.  Börries und Clementine leben seit 1889 in Apelern, der Dichtersohn Börries ist 1912 mit Frau und Sohn Börries zu Besuch bei den Eltern. Börries  war am Anfang des 20.Jahrhunderts  einer der beliebtesten Dichter Deutschlands mit hohen Auflagen seiner Werke. „Er verkaufte zu Lebzeiten mehr Bücher als Goethe bis heute“ heißt es in der Familie. Heute ist er –  ein Opfer des Zeitgeistes –  leider beinahe vergessen.

Weißer Flieder

Naß war der Tag,- die schwarzen Schnecken krochen,

Doch als die Nacht schlich durch die Gärten her,

Da war der weiße Flieder aufgebrochen,

Und über alle Mauern hing er schwer.

Und über alle Mauern tropfte leise

Von bleichen Trauben Perlen groß und klar,

Und war ein Duften rings, durch das die Weise

Der Nachtigall wie Gold geflochten war.

 

Von Otto Frhr.v.Blomberg, zuerst erschienen als Kalendertext „Der Schaumbörger“ 2017

Nach der Preußischen Kreis- und Gemeindeordnung war der Landrat eines Kreises nicht nur die oberste Verwaltungsspitze, sondern zugleich auch die oberste Polizeibehörde. Gegenüber dem heutigen Landrat als Ausüber repräsentativer Pflichten war der damalige Landrat mit einer beachtlichen Machtbefugnis ausgestattet. Danach widmete sich Hans-Georg nur der Verwaltung und der Erhaltung seines Erbteils. Seinen Apelerner Gutsbesitz verpachtete er in der Folge an die Pächter Franke und später an Hans Nebel, mit denen er stets ein gutes Auskommen pflegte. Da er wenig am Hof erneuern ließ, kann man annehmen, dass sein Gutsbesitz wie alle Bauernhöfe während der Zeit der Weimarer Republik (1919 – 1932) nicht auf Rosen gebettet war. Er starb kinderlos im Alter von 75 Jahren (1877-1952).
Nun kam es zur  Aufteilung seines Besitzes an Gütern. Das Gut Nienfeld erbte sein Neffe Hans-Georg Freiherr v. Blomberg. Das Gut Remeringhausen erbte der Neffe Eberhard v. Breitenbuch. Der alte münchhausensche Stammsitz, der Gutshof in Apelern, ging an Heyno Freiherr v. Münchhausen (Anm.: adoptiert aus der schwarzen Linie der Familie; bis dahin war das Rittergut Apelern ausschließlich im Besitz der weißen Linie geblieben), einen aus Vitzenburg in Mitteldeutschland stammenden Verwandten gleichen Namens. Dieser, im Jahre 1915 geboren, hatte durch die Enteignung von Grund und Boden unter dem kommunistischen SED-Regime in Mitteldeutschland keinen Grundbesitz mehr. Sein Vater Rembert war 1947 im kommunistischen KZ Buchenwald umgekommen. Sein Sohn und Nachfolger, Matthias Frhr.v. Münchhausen, ist zur Zeit als Leiter der Rechtsabteilung der Deutschen Bank in Hannover tätig.

Die Familie von Hammerstein-Gesmold
Die Entstehungsgeschichte des Adelssitzes und Rittergutes der Familie v. Hammerstein-Gesmold, das einst auch eine befestigte Wasserburg war, gleicht einer Beschreibung, wie aus einem Meierhof ein Renaissanceschlösschen entstand. Der Adelssitz ist dem v. Münchhausenschen Renaissancebau als Wasserburg nicht nur ähnlich, sondern er verdankt seinen Ursprung sogar der sogenannten weißen Linie dieses Adelsgeschlechtes.

Bild: Börries von Hammerstein

Abb. 4: Schloss von Hammerstein 1850

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts kam es durch eine Verzweigung innerhalb der sogenannten weißen Linie der Familie v. Münchhausen auch zur Aufteilung des Grundbesitzes. Der Erbe des kleineren Anteils, Jost v. Münchhausen auf Remeringhausen, richtete im Jahre 1556 an den Grafen Otto von Schaumburg die Bitte, einen Meierhof in Apelern in Obhut nehmen zu dürfen. Noch im gleichen Jahren erhielt er vom Grafen Otto die Erlaubnis, „solchen zu bebauen, zu bewohnen und zu gebrauchen“. Dieser aus der gräflichen Grundherrschaft entlassene Meierhof bildete den Grundstein für die Entstehung des Rittergutes.
Da aber die Familie des Jost v. Münchhausen ohne Nachkommen blieb, erwarb ein gewisser Anton Wietersheim aus Stadthagen den Hof. Dieser vergrößerte den Hof durch Beleihungen und durch Ankauf weiterer kleiner Hofstellen (z.B. den Hof des Henrich Kaiser und Hans Meyer usw.). Anton Wietersheim war nicht nur in der Landwirtschaft tüchtig, sondern auch in der Politik. Er brachte es bis zum Kanzler des Grafen von Schaumburg und schließlich im Jahre 1592 auch zum Adelstitel. Sein „Schlösschen“ ließ er sich aber als Bürgerlicher in der Zeit von 1586 bis 1590 erbauen.
Im Jahre 1673 wurde der Besitz des Herrn v. Wietersheim durch dessen Schwiegersohn an die Familie v. Hammerstein verkauft. In dem zu Rinteln abgeschlossenen Kaufvertrag ist zu lesen:
„Andreas Eberhard von Stuben verkauft das freie Allodial erblich eigene Gut Aplern an den Friedrich Christoph von Hammerstein.“

Der Stammvater der durch den Kauf ansässig gewordenen Adelsfamilie war der im Jahre 1597 geborene Hans Adam Freiherr v. Hammerstein-Gesmold. Der Nachfahre und Käufer des Apelerner Gutes, Friedrich Christoph, diente im Dreißigjährigen Krieg bei den Schweden als Generalmajor. Seit dem Jahre 1673 sind auf dem Rittergut inzwischen fünf Generationen der Familien v. Hammerstein ansässig. Jeder der männlichen Nachkommen als Erbe des Adelssitzes trug den Vornamen Börries. Dies deutet eine feste Tradition in der Namensgebung an. Ein Börries v. Hammerstein war in Apelern zur Regierungszeit des Königs von Westphalen (Jérome) Bürgermeister. Dieser unterzeichnete nämlich am 2. März 1813 ein Patent, welches dem Besitzer Friedrich Fromme aus Apelern die Erlaubnis zur Eröffnung einer Schankwirtschaft erteilte. In den letzten 150 Jahren brachte der Vorname Börries seinen Trägern aber wenig Lebensglück. Fast immer war der Sohn noch minderjährig, wenn der Vater starb, so dass das Rittergut häufig lange vom Vormund verwaltet wurde. Der im Jahre 1833 geborene Börries war erst elf Jahre alt, als sein Vater im Jahre 1844 starb. In jungen Jahren war er bereits Kammerherr am Königshof in Hannover. Er blieb lange Zeit ledig. Erst im Alter von 49 Jahren entschloss er sich, eine Ehe einzugehen.
Als er im Jahre 1891 starb, war sein Sohn Börries erst 12 Jahre als. Als nun jener dritte Börries ins Mannesalter kam, wurde er Soldat. Er diente bei den 16. Dragonern in Lüneburg und ergriff nach der damaligen Tradition die Laufbahn eines Berufsoffiziers. Als solcher nahm er am Ersten Weltkrieg teil und kehrte unversehrt heim. Während der Anfänge der Weimarer Republik beteiligte er sich nebenbei an verschiedenen industriellen Unternehmungen. Er starb im Jahre 1926 im Alter von 37 Jahren, als sein Sohn, der vierte Börries, elf Jahre als war.

Abb. 5: Diese Urkunde ist vom ehemaligen Bürgermeister von Hammerstein unterschrieben

Bis zum Jahre 1930 wurde der Gutshof nun ohne den dazugehörigen Wald von Pächtern bewirtschaftet. Der Wald wurde von einem Förster beaufsichtigt, welcher gleichzeitig auch die zum Gut gehörende Gastwirtschaft Wierser Landwehr betrieb.
Im Alter von zwanzig Jahren (1935) diente der vierte Börries beim Reiterregiment 11 in Gera, um Offizier zu werden. Als solcher nahm er am Zweiten Weltkrieg teil. Fortuna bescherte ihm eine unversehrte Heimkehr. Um den Gutshof fachmännisch bewirtschaften zu können, studierte er nach dem Gleidinger Praktikum in Celle Landwirtschaft. Seit dem Weggang des Gutsinspektors Fulde übernahm er selbst die Bewirtschaftung des Gutes. Aber seit dem Jahre 1973 wird der Gutshof in Kooperation mit der Domäne Rodenberg verwaltet. Den Wald betreut gegenwärtig der Förster Nebelin. Der im Jahre 1946 geborene fünfte Börries v. Hammerstein ist als Vater von drei Töchtern und als künftiger Hoferbe zur Zeit Richter beim Landgericht Bückeburg.

Einschließlich des Waldes hat das Rittergut der Familie v. Hammerstein eine Ausdehnung von 142 Hektar. Den Gutshof betritt man durch ein Rundbogentor. Ein Stein trägt zwei Wappen mit der Inschrift: „Ludewig Freiherr von Hammerstein zu Gesmold und Apelern“.
In dem Buch „Die Kunstdenkmäler des Kreises Grafschaft Schaumburg“ aus dem Jahre 1907 wird berichtet, dass die Schlossanlage von einem breiten Wassergraben umgeben ist. Heutzutage ist weder etwas von der Graft (Wassergraben) noch von den einst dahinter stehenden Wirtschaftsgebäuden zu sehen. Dagegen hat sich die Lage der Gebäude außerhalb der Burganlage seit dem Jahre 1870 trotz der drei in den letzten siebzig Jahren entstandenen Brände nur wenig verändert.
Der erste, im Jahre 1910 ausgebrochene Brand äscherte das alte Viehhaus ein; aber danach entstand an der gleichen Stelle ein größeres und moderneres Gebäude. Im Jahre 1928 brannte die Scheune am Gemeindeweg ab. Nach längeren Verhandlungen mit der Gemeinde und mit dem Kreisbauamt über den Abstand der neuen Scheune vom Gemeindeweg entstand schließlich doch noch ein Neubau. Aber die im Jahre 1972 bis zur Hälfte abgebrannte Schafscheune wurde nicht erneuert.
Der Erbauer und Vorbesitzer v. Wietersheim gab seinem Schlösschen für den Fortbestand die treffende Widmung:
„Post malam segetem serendum!“
(„Auch nach einer schlechten Ernte muss man säen!“)

1539 kommt Anton Smeckeworst in Stadthagen zur Welt. Er ist ein aufgeweckter, vielversprechender Knabe und schafft in kürzester Zeit eine sehenswerte Karriere bis zum Doktor der Rechte und Kanzler in Schaumburg.
Stationen sind die Lateinschule in Stadthagen, die Universitäten Rostock und Bologna. Bereits mit knapp 20 wird er 1563 Stadtsyndicus in Rostock. Da die Familie aus Wietersheim stammt, ändert er nachvollziehbarerweise seinen Namen und nennt sich Anton Wietersheim. 1566 wird er Senatssekretär in Hamburg. Er reist im Auftrag der Stadt nach Speyer, Regensburg und Wien. Dort hat er genug Zeit und promoviert zum Doktor der Rechte. Der Kaiser schätzt ihn und verleiht ihm 1558 die Pfalzgrafenwürde.
In Wien lernt der Stadthäger Wietersheim seinen ursprünglichen Landesherren Otto IV. von Schaumburg kennen, der seine Fähigkeiten erkennt und ihn umwirbt. Jahrelanges Hin und Her erinnern an teure Bundesligatransfers. 1574 ist es soweit und Anton Wietersheim kommt nach Stadthagen und wird Kanzler. Er bewährt sich so, daß Ottos Nachfolger Adolf XIV ihn sofort als Kanzler übernimmt und auch Graf Ernst mochte anschließend nicht auf seine Dienste verzichten. Insgesamt 40 Jahre Kanzler unter drei Landesherren.
Selbstbewußt, und auch  finanziell erfolgreich, erwirbt Wietersheim 1580 einen Münchhausenschen Freihof in Apelern. Jahrelang sammelt er,  auch von weit her, Baumaterial und ab 1586 wird ein einflügeliges herrschaftliches Haus mit einem davorstehenden Wendeltreppenturm gebaut. Es wird ein einzigartiges Haus, ganz im Stile der adligen Häuser der Nachbarschaft, nur ohne adliges Zubehör. Stattdessen schmückt Wietersheim sein Haus mit humanistischer Bildung. Antike Götter und griechische Weisheiten zieren dezent die Kamine anstelle der sonst üblichen Wappen.
1592 bekommt er das Adelsdiplom von Kaiser Rudolf in Wien. Das hält er aber vorsichtshalber noch 20 Jahre geheim.  In Stadthagen erwirbt er 1600 noch den alten Rottorfschen Steinhof „welcher Hof eine spelunca war“ und steckt viel Geld in den Ausbau. Jetzt hat er alles Zubehör für ein landadliges Dasein. Für den Sommer das Rittergut auf dem Lande und für den Winter ein Stadthaus.
Anton von Wietersheim hinterläßt 1614 sechs Söhne und sechs Töchter und wird als Anton (der Erste) Gründer der heute noch blühenden Familie von Wietersheim. Der 30 jährige Krieg tobt durchs Land und 1673 verkaufen seine Nachkommen Apelern an die Freiherren von Hammerstein.
Seit 12 Generationen ist es jetzt in deren Besitz und nach umfangreichen Renovierungen kann man heute stilvoll im Schloß von Hammerstein heiraten oder Geburtstag feiern. Hof, Haus und Park haben noch nie so prachtvoll ausgesehen wie zur Zeit.

Von Otto Frhr.v.Blomberg, zuerst erschienen als Kalendertext „Der Schaumbörger“ 2016

Diese Linde stand bis vor 30 Jahren noch auf dem Hammersteinschen Grundstück. Nach alten Überlieferungen wurde von unserer Vorfahren auf diesem Gerichtsplatz (Thing-Dingstätte) das Recht gesprochen.
Das Naturdenkmal "Dicke Linde" 1935 in den von Hammersteinschen Hofwiesen (Bild: Heimatverein Apelern e.V.)
Der Orkan vom 14. November 1940 fällte dieses Naturdenkmal (Bild: Heimatverein Apelern e.V.)
In dem hohlen Stamm konnten Kinder und Erwachsene Platz nehmen. Heute steht an gleicher Stelle eine etwa 75 Jahre alte Linde (Bild: Heimatverein Apelern e.V.)