Unser Dorf Apelern liegt eingebettet im Tal zwischen dem Deister, dem Süntel und den Bückebergen. Der höchste Punkt in unserer Gemarkung ist der Eberloh (158m) im „Großen Riesen“, einem Ausläufer des Süntels. Vor etwa einhundert Jahren (1880) dehnte sich die Gemeinde Apelern auf einer Fläche von 840 ha (8,4 qkm) aus, davon waren 71 ha Wald. Die Grundstückszusammenlegung, bei uns im Sprachgebrauch als Verkoppelung bekannt, ist in einem Büchlein zusammengefasst. Aus diesem Zahlenwerk möchte ich einige kopierte Auszüge bringen:

Hier sind nur die Kosten für einzelne, notwendige Maßnahmen aufgeführt. Es würde zu weit führen, wenn man jede einzelne Aufwendung in Ansatz brächte. Das obige Zahlenbild lässt bereits erkennen, dass zur Erreichung einer intensiven Bewirtschaftung der Äcker enorme Geldbeträge aufzubringen waren. Durch diese Zusammenlegung der Ackerflächen veränderte sich das Landschaftsbild der Gemarkung Apelern so nachhaltig, dass nur noch der Bau der Autobahn durch unser Gebiet in den Jahren 1936 bis 1939 als eine gleichrangige Veränderung des Landschaftsbildes betrachtet werden kann.

Bis zur Jahrhundertwende war alles – das Handwerk ausgenommen – auf die Landwirtschaft ausgerichtet. Ein Pendeln zur Arbeit in die Stadt kannte man nicht und war auch nicht möglich. Entweder arbeitete man auf den Gütern, oder man erlernte ein Handwerk.
Die Jugendlichen verdingten sich größtenteils bei den Bauern. Einzelne Arbeiter, die man damals auch „Tagelöhner“ nannte, mussten weite Wege zu Fuß zurücklegen, um ihr Brot zu verdienen. So hatte zum Beispiel der Zimmermann Steinsiek zu Fuß einen Anmarsch von über zwei Stunden zu bewältigen, um zu seiner Arbeitsstelle „Kölnisch-Feld“ – eine Revierbezeichnung – im Deister zu gelangen. Seine Wohnung verließ er um fünf Uhr morgens und kehrte erst um sieben Uhr abends zurück.
Auch durch den Bau der Eisenbahn von Groß-Nenndorf nach Münder/Deister in den Jahren 1902 bis 1905 veränderten sich die Arbeitsbedingungen der Einwohner sichtlich. Während der Bauzeit und später nach der Inbetriebnahme gelangten hiesige Familienväter und Söhne in Lohn und Brot. Stark setzte nun auch der Pendlerverkehr zu den weiter entfernten Arbeitsstellen in Hannover, Seelze, Letter und Wunstorf ein.

In einer überwiegend von der Landwirtschaft geprägten und mit dem Handwerk durchsetzten Struktur kam nun auch der Industriearbeiter zur Geltung. Vor dieser Zeit war der Name „Industrie“ in unserer dörflichen Idylle unbekannt. Wer kannte denn damals schon die Namen Continental oder Hanomag in Hannover, den Rangierbahnhof, die chemische Fabrik in Seelze oder die Fulguritwerke in Wunstorf ? Unter dem Namen Reichsbahn Ausbesserungswerk Leinhausen konnte sich keiner etwas Genaues vorstellen. Aber diese Betriebe gaben vielen Einwohnern unseres Dorfes Arbeit und Brot.
In jener Zeit war natürlich auch schon das Bergwerk Bantorf in Betrieb, wo unsere Bergleute in den Schacht fuhren. Seit dem Jahre 1919 fanden dann einzelne Bürger auch bei der neu gegründeten Firma Voß &Sasse einen Arbeitsplatz. Als dann unsere Hauptstraße einen Anschluss an die Autobahn erhielt, war der Weg für die Veränderung des Dorfbildes in der geschlossenen Ortschaft frei.
Die Strukturveränderungen kann man auch daran erkennen, dass die Gemeinde im Jahre 1906 aus der Verpachtung der Grasnutzung an den Feldwegen und Gräben 471,40 Mark einnahm. Das Pachten der ortsüblichen benannten Koppelwege blieb den Ziegenhaltern vorbehalten. Heutzutage muss die Gemeinde für die Sauberhaltung der Gräben, Wege und Böschungen Geld ausgeben, statt Geld aus der Grasnutzung einzunehmen.
Als dann nach dem Zweiten Weltkrieg, etwa um das Jahr 1955, das sogenannte „Wirtschaftswunder“ einsetzte, und damit auch der Wohlstand der Bürger stieg, wurden die Ziegen nach und nach abgeschafft, und es gehörte zum guten Ton, einen Hund zu halten. Heute gibt es im Dorfe mehr Hunde als Ziegen in einer Zeit, in welcher man diese gehörnte Vierbeiner für unentbehrlich hielt. Ist es nicht eine echte Strukturänderung, wenn man von der Ziegenhaltung auf den Hund gekommen ist?

Auch die Tatsachen, dass heute in Apelern nur noch fünf voll erwerbsfähige Bauernhöfe vorhanden sind, und dass durch den Zustrom der Ostvertriebenen die Zahl der Wohngrundstücke von 106 auf 280 gestiegen ist, weisen auf einen wirklichen Strukturwandel
Doch trotz aller Strukturveränderungen möchte ich feststellen: „Die Turmspitze der Kirche, das Wahrzeichen Apelerns, hat sich nicht verändert!“

Luftaufnahme aus den 1940er Jahren (Bild: Heimatverein Apelern e.V.)