Das Wirtschaftsleben einer Region kann sich nur dann günstig zum Nutzen seiner Bewohner entwickeln, wenn die drei wichtigsten Voraussetzungen erfüllt sind: eine tüchtige und strebsame Verwaltung, Bodenschätze und günstige Verkehrsverbindungen. Als um die Mitte des 19. Jahrhunderts im beginnenden Maschinenzeitalter in allen deutschen Ländern die wirtschaftliche Blüte einsetzte, waren die verwaltungsmäßigen Voraussetzungen in der Grafschaft Schaumburg denkbar ungünstig.

Es ist deshalb in diesem Zusammenhang wichtig, sich daran zu erinnern, dass niemand ahnen konnte, als in der Grafschaft im Jahre 1847 die zweihundertjährige Verbindung mit Hessen in Gegenwart des Kurprinzen festlich begangen wurde, dass sie mit Kurhessen, Nassau, Frankfurt und Hannover am 18.8.1866 offiziell in den preußischen Staat eingegliedert werden würde. Die Grafschaft bildete danach den Kreis Rinteln in der Provinz Hessen-Nassau und wurde, was viele Schaumburger wohl inzwischen vergessen haben, verwaltungsmäßig ein Zwitterding bzw. ein Unding.
Statt reine Bahn zu schaffen, schuf man einen unmöglichen Zustand. Denn der neue Kreis Rinteln unterstand in der allgemeinen Verwaltung, in Kirche und Schule der Regierung in Kassel, in der Justiz- und Militärverwaltung war er der Provinz Hannover unterstellt, und in der Forst- und Domänenverwaltung, Wasserstraßenverwaltung und im Postwesen war er von Westfalen abhängig.

Die Grafschaften Schaumburg nach 1866. Zuvor bestand sie bis 1640 als Territorium im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Danach wurde sie zwischen den Landgrafen von Hessen-Kassel und den Grafen zur Lippe aufgeteilt) (Bild: Ziegelbrenner)

Aus der weiten, räumlichen Entfernung zu den drei verschiedenen Regierungssitzen wurden in der Folge kaum nennenswerte Folgerungen gezogen, denn dieser Zustand blieb bis zum Jahre 1932, als der Kreis Grafschaft Schaumburg (im Jahre 1904 erfolgte die Umbenennung des Landkreises) verwaltungsmäßig dem Regierungsbezirk Hannover zugeteilt wurde. Aber auch jetzt (1932) war die Verwaltung noch nicht einheitlich, denn das Postwesen und der Wasserstraßenbau blieben verwaltungsmäßig in Westfalen, desgleichen auch die Eingliederung in einen westfälischen Wahlkreis. Selbst während der zwölf Jahre des Nationalsozialismus (1933-1945) blieb das parteipolitische Bestreben im Raum, die Grafschaft Schaumburg wieder aus dem hannoverschen Provinzverband zu lösen und Westfalen zuzuteilen. Es scheiterte schließlich am Widerstand der Bevölkerung des Kreises.

Aber auch hinsichtlich der Bodenschätze war für die engere Heimatregion die Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Aufschwung nicht ausreichend vorhanden. Denn außer einer geringen Menge Ton lagen andere Bodenschätze wie Kohle und Salz in großen Mengen weit außerhalb unserer Gemarkung. Ein seit dem Jahre 1866 wiederholt unternommener Versuch, bei Rodenberg mit Bohrungen nach Kohle fündig zu werden, scheiterte endgültig im Jahre 1874.

Und wenn man die dritte Voraussetzung für eine mögliche Wirtschaftsblüte, nämlich günstige Verkehrsverbindungen, näher betrachtet, so musste die Situation auch in dieser Hinsicht für Apelern als äußerst ungünstig bezeichnet werden. Es unterliegt keinem Zweifel, dass damals eine Wasserstraße wie die Weser und die Eisenbahnlinien die Entwicklung von Industriebetrieben in hohem Maße begünstigten. So sah es in dieser Hinsicht im Süden und im Südwesten der Grafschaft wesentlich besser aus. Bereits im Jahre 1875 wurde die Eisenbahnlinie Hameln Hessisch-Oldendorf Rinteln Löhne in Betrieb genommen, und im Jahre 1899 erfolgte die feierliche Einweihung des Kreishafens an der Weser in Rinteln. Ein Jahr später (1900) wurde auch die Bahnlinie Rinteln Obernkirchen Stadthagen eröffnet und dadurch das Kohlerevier, die Steinbrüche und die Glasproduktion an das Transportnetz angeschlossen.

Während der Süden und Südwesten durch Bodenschätze und günstige Verkehrsverbindungen trotz der Verwaltungsmisere industriell aufblühte, blieb der Norden der Grafschaft im allgemeinen nur landwirtschaftlich eingestellt und entwickelte in diesem Rahmen eine hochstehende Tierzucht. Eine geringfügige wirtschaftliche Belebung, insbesondere durch die Entwicklung der Holz-Kleinindustrie, setzte hier erst mit der Fertigstellung der Eisenbahn Hameln-Münder-Lauenau-Rodenberg-Nenndorf-Haste im Jahre 1904 ein.
Die Eisenbahn als bestauntes Wunderwerk der Technik flößte damals manchem Einwohner der Grafschaft auch Angst und Schrecken ein, andere wiederum betrachteten sie als Werk des Teufels (Düwelskram), und viele wollten es anfangs nicht glauben, dass sich die Fortbewegung der Wagen ohne Pferdekraft vollzog. Daran erinnert uns noch heute eine kurze Anekdote aus jener Zeit.

„Eines Tages kamen zwei Bauern aus Ohndorf auf den Nenndorfer Bahnhof, um sich auch einmal den Zug anzusehen. Sie glaubten nicht, dass sich die Wagen ohne Pferde fortbewegen könnten. Auf dem Bahnhof sahen sie aber nur einige Güterwagen stehen. Gerade war man dabei, mehrere Pferde auszuladen. Da meinte der eine: „Suihst diu, Hinnerk, eck hewe’t deck jümmer seggt, dä Pärr het doch dä Wagen togen.“

Zudem plante man seit dem Jahre 1900 eine Eisenbahn durch das Auetal über Buchholz – Rolfshagen – Borstel – Rehren – Escher – Reinsdorf – Apelern – Rodenberg mit Anschluss an die Bahnlinie Rinteln – Stadthagen bei Buchholz zu bauen. Dafür sollte auch die Gemeinde Apelern einen Kostenanteil von 400 Mark zur Bauplanung an eine noch zu gründende Eisenbahnaktiengesellschaft leisten. Dazu war ein Beschluss des Gemeinderates erforderlich. So kam es in dieser Angelegenheit zur Gemeinderatssitzung am 10.7.1901. In dem damaligen Sitzungsprotokoll heißt es:
„Tagesordnung: Betreffend den Beitrag zu den Kosten der Vorarbeiten des Baues einer Eisenbahn durch das Auetal.
Beschluss: Da das Interesse der Gemeinde Apelern an der Anlage der Bahn nur sehr gering ist, weil in nicht zu großer Entfernung zwei Bahnstationen (Lauenau und Rodenberg) bald zur Verfügung stehen werden (gemeint war der bereits im Bau befindliche Teil der Eisenbahnlinie Münder – Nenndorf ), kann der geforderte Beitrag zu den Vorarbeiten nicht bewilligt werden, insbesondere auch deshalb nicht, weil noch nicht festgestellt ist, in welcher Richtung die projektierte Bahn angelegt wird, und wohin die Station für Apelern gelegt wird.“

Nach diesem ablehnenden Beschluss wurde lange in Apelern und Umgebung gemunkelt, dass es damals Hintermännern angeblich gelungen war, den Bau der Eisenbahn mit einer Haltestelle in Apelern zu behindern. Die Kostenanteile der einzelnen Anliegergemeinden fielen natürlich verschieden aus. Nach dem Voranschlag sollten die übrigen Gemeinden die folgenden Summen in die gedachte Eisenbahn-AG einzahlen: Rolfshagen 200 Mark, Borstel 492 Mark, Rehren 400 Mark, Escher 300 Mark, Reinsdorf 200 Mark, Rodenberg 500 Mark und der Landkreis Rinteln 500 Mark. Die Planung der Auetalbahn zog sich noch weiter in die Länge, bis der Ausbruch des Ersten Weltkriegs ihr schließlich ein unwiderrufliches Ende bereitete.
Der Norden als Industrielle Schwachstelle der Grafschaft wird wohl mit dazu beigetragen haben, dass der Betrieb auf der Bahnlinie Bad Nenndorf Münder für den Personenverkehr bereits nach sechzig Jahren (1965) eingestellt wurde. Bald danach ruhte auch der Stückgutverkehr auf dieser Strecke. Die Strecke ist heutzutage zwar noch befahrbar, aber die rostigen Schienenstränge weisen darauf hin, dass sie selten benutzt werden.

Aber nach mehr als dreißig Jahren erhielt Apelern doch noch einen Anschluss an ein großes Verkehrsnetz: an die Autobahn Dortmund-Hannover, die das gesamte Auetal durchschneidet, wie es einst durch eine Eisenbahnlinie bewerkstelligt werden sollte. Der Leser mag nun darüber rätseln, ob der Beschluss des Gemeinderates vom 10.7.1901 eine unerlässliche Voraussetzung für den späten Bau der Autobahn war, wenn man bedenkt, dass das eine das andere hätte ausschließen können.

Da die Bedingungen für eine industrielle Entwicklung in der nördlichen Region der Grafschaft nun einmal ungünstig waren, machte sich der seit der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende technische Fortschritt in der Apelerner Gemeinde kaum bemerkbar. Durch das Vorhandensein von Wald und Wasserkraft entwickelte sich damals als erster größerer Betrieb ein Sägewerk. Die Aufbauten befanden sich im Flurstück „An der Blicke“. Das Sägegatter wurde durch ein Wasserrad angetrieben, das durch einen im „Allern“ vom Riesbach abgezweigten Wassergraben gespeist wurde. Ungefähr im Jahre 1925 wurde der völlig veraltete Betrieb stillgelegt. Zunächst benutzte Heinrich Kiehne aus Wennigsen die Einrichtungen als Schroterei, und der Zimmermeister Heinrich Becker erwarb das Sägewerksgelände für die Ausdehnung seiner Zimmerei. Den Abriss besorgte schließlich Friedrich Wilkening aus Wiersen, der aus dem Hauptgebäude des Sägewerks auf seinem Hof eine Scheune errichten ließ.

Um das Jahr 1895 wurde auf dem Gelände neben dem Sägewerk eine Molkerei errichtet, die ihre Energie von einer fahrbaren Lokomobile bezog. Bei Wassermangel besorgte die Lokomobile zuweilen auch den Antrieb des benachbarten Sägegatters. Der Molkereibetrieb, dem die Milch im Umkreis von Kleinhegesdorf, Langenfeld und Hülsede zugeführt wurde, machte anfangs eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung durch. Es wurde bald noch eine Käserei und eine Schweinemästerei angegliedert, um die Milch und die anfallende Molke wirtschaftlicher auszunutzen.

So entstanden in Kürze die Käserei, ein zweistöckiger Schweinestall und ein neues Bürohaus mit Privatwohnung für den MolkereiVerwalter. Bis zum Jahre 1916 verwaltete Herr Tamms die Molkerei und anschließend Herr Burmeister, der schließlich im Jahre 1922 die Stilllegung der Molkerei erlebte. Die Molkerei, eine GmbH, deren Gesellschafter die Herren Fricke, Scharp und Köneke aus Rodenberg waren, litt sicherlich unter den Folgen des verlorenen Ersten Weltkrieges. Ein danach unternommener Versuch, die Molkerei auf der Basis einer Genossenschaft wieder in Betrieb zu setzen, blieb ohne Erfolg, weil der Vermittler Anders plötzlich durch einen Unfall verschied. Das Molkereigrundstück wurde im Jahre 1934 an den ehemaligen Pächter des v. Münchhausenschen Gutes, Gustav Franke, verkauft. Franke bezog das Wohnhaus und ließ die übrigen Gebäude bis auf den Schweinestall, den er seinem treuen und langjährigen Helfer Fritz Tegtmeier zukommen ließ, abreißen. Tegtmeier baute einen Teil des Stallgebäudes zu hübschen Wohnungen aus. Heute werden die Bewohner Apelerns nur noch durch den Ortsteil „Auf der Molkerei“ daran erinnert, dass hier vor mehr als sechzig Jahren einst ein Molkereischornstein rauchte.

Abb. 1-4: Margarinewerke und Dampfmolkerei: Schriftstück zum Konkursverfahren, Dampfmolkerei-Beleg, das Molkerei-Gelände und die Sprengung des Schornsteins.

Aber eine noch viel kürzere Betriebszeit sollte der Margarinefabrik mit der Mark „Ruma“ zuteil werden, die um die Jahrhundertwende ebenfalls auf dem Molkereigelände errichtet wurde. Der Unternehmergeist der Molkereigesellschafter ließ hier ein zweistöckiges Fabrikgebäude mit Kesselhaus für den Dampfkessel und einen riesigen Schornstein entstehen. Das neue Erzeugnis als Ersatz für Butter und Schmalz barg, wie alle Neuheiten auf dem Nahrungsmittelsektor, ein großes Risiko in sich.

Kesselhaus mit Schornstein (Bild: Heimatverein Apelern e.V.)

Die Verbraucher in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg konnten sich mit dem Ersatzprodukt Margarine in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs noch nicht anfreunden und nach kurzer Anlaufzeit stand die Fabrik vor einem unabwendbaren Konkurs. Für die plötzlich entlassenen Fabrikarbeiter war es damals in unserer Gegend dennoch schwer, neue besser bezahlte Arbeit zu finden. Aber für manchen Handwerker, in Apelern und Umgebung war der Konkurs nicht weniger verlustreich, denn einige Handwerkerforderungen konnten aus der Konkursmasse nicht mehr beglichen werden. Wer die Hungersnot nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg miterlebt hat, der weiß, dass sich das Ersatzprodukt Margarine in jener Zeit im Handumdrehen bei den Konsumenten durchsetzte und seitdem immer größere Kundenkreise erfasste, bzw. einen wahren Siegeszug als die „Butter des kleinen Mannes“ antrat. Aufschriften wie „Esst Margarine, und ihr bleibt gesund!“ waren damals keine Seltenheit. In ähnlicher Form macht man sogar heute noch Reklame für den Verzehr von Margarine, insbesondere von rein pflanzlicher Margarine.

Die Margarinewerke Apelern (Bild: Heimatverein Apelern e.V.)
Lageplan Margarinewerke (Bild: Heimatverein Apelern e.V.)

Die bereits erwähnten Tonablagerungen innerhalb unserer Gemarkung brachten den Kaufmann Karl Heinrich Sebastian Mönkeberg auf den Gedanken, die einst vom Forstamt Obernkirchen verwaltete, um die Jahrhundertwende noch betriebene „Staatsziegelei“ mit Tonvorräten zu kaufen, die westlich der Straße nach Rehren lag. Die Apelerner Ziegelei brannte einen guten Stein. Die sogenannten „Ziegler“, die Saisonfacharbeiter, kamen überwiegend aus der lippischen Region. Von dort kam auch der damalige Pächter und Landwirt Toke, dem man nachsagte, vom Ziegeleifach wenig zu verstehen. Toke brachte die Ziegelei auch bald in den Konkurs. Den Gebäudekomplex samt der dazugehörigen Landflächen erwarb Heinrich Friedrich Bremer aus Großhegesdorf und betrieb damit Landwirtschaft. Der Standort einer kleineren Ziegelei ist noch in älteren Flurkarten eingezeichnet, und oberhalb des Hauses der Familie Leifheit an der Rintelner Straße sind noch Spuren dieses Industriebetriebes zu erkennen.

Der älteste Gewerbebetrieb innerhalb unserer Gemeinde war ohne Zweifel die Riesenmühle, die ursprünglich wirklich eine „klappernde Mühle am rauschenden Riesbach“ war. Nach den Quellen der Familie v. Münchhausen, in deren Besitz sie schon im Mittelalter war, soll sie bereits im Jahre 1374 als Wassermühle mit riesigem Schaufelrad aus Holz den Betrieb aufgenommen haben. Das jetzt noch erhaltene Bauwerk soll im Jahre 1569 errichtet worden sein. Später wurde das Mahlwerk durch eine Wasserturbine angetrieben.
Der heutige Besitzer des Mühlengeländes, Veit Richter, benutzt es als Wohngrundstück. Er wird wohl niemals auf den Gedanken kommen, das unrentable und veraltete Überbleibsel aus dem Mittelalter wieder in Betrieb zu nehmen.
Bis zum Jahre 1950 trugen vier Steinbrüche in geringem Umfang zur Baustoffgewinnung in unserer Gemeinde bei. In einigen wurde seit mehreren Jahrhunderten Gestein zum Wegebau gebrochen. Auf den größten Steinbruch weist die Flurbezeichnung „Bei den Steinbrüchen“ hin.

Diesen Bruch erwarb Heinrich Leifheit von Nr. 50, heute „Großer Winkel Nr. 9“, im Jahre 1889. Das Arbeitsgerät bestand damals aus Spitzhacke, Schaufel, Hammer, Handsteinbohrer, Holzkarre und Sprengstoff. Die Arbeit im immer tiefer gehenden Abraumgebiet war „Knochenarbeit“ und lebensgefährlich. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg erlitt auch ein Sohn des Besitzers einen tödlichen Unfall beim Steinbrechen. Für die Arbeit im Bruch wurde damals ein Tagelohn von 1,65 Mark gezahlt. Da es sich im Jahre 1950 nicht mehr lohnte, Geld zur Modernisierung des Abraums zu investieren, gab Sohn Karl den Betrieb auf. Die überwucherte ehemalige Abraumfläche, wird heute größtenteils als Viehweide genutzt, was dazu beiträgt, dass Heinrichs Großsohn Karl heute etwas Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben kann.

Zwei von den vier Steinbrüchen befanden sich im Besitz der Gemeinde. Der Bruch „Auf der Höhe“ lieferte noch im Jahre 1954 das Gestein für den Bau der „Neuen Straße“. Danach wurde er stillgelegt und ein Teil davon wurde an den Apelerner Schützenclub verkauft. Der „Waidkamp“-Bruch, der seit der Jahrhundertwende nicht mehr in Betrieb war, wurde bis in die siebziger Jahre als Mülldeponie benutzt. Gegenwärtig bemüht man sich, dieses Gelände durch Anpflanzung von Bäumen und Büschen zu verschönern. Der vierte und kleinste Bruch befand sich unterhalb des Ehrenmals und diente ausschließlich privaten Zwecken. Die Umrisse sind heute noch gut zu erkennen.
Je mehr einige Gemeinden in den fünfziger Jahren mit ihrem einnehmenden Wesen von Steuergeldern darauf erpicht waren, in ihrer Gemarkung Industriebetriebe größeren Ausmaßes anzusiedeln, desto größer wuchs die Gefahr, sich dabei durch Sicherstellung investiver Voraussetzungen finanziell zu übernehmen bzw. zu ruinieren. Wenn man heute nüchtern über solche hochtrabenden Pläne nachdenkt, muss man froh sein, dass eine Fügung des Schicksals solche Träumereien verhinderte und dafür sorgte, dass der Gemeinderat wieder auf den Teppich der Wirklichkeit zurückgeführt wurde.

Beim Wettrennen der Gemeinden um höhere Gewerbesteuereinnahmen wollte damals auch unsere Gemeinde nicht abseits stehen. Sie reagierte auf eine Zeitungsanzeige mit folgendem Text: „Zukunftsträchtiges Unternehmen sucht ein geeignetes Grundstück zur Errichtung einer größeren Produktionsstätte im Raum zwischen Hannover und Minden.“ Es stellte sich heraus, dass der Inserent eine Vertriebsgesellschaft aus Düsseldorf war, die das Getränk Afri-Cola in Lizenz herstellen und verkaufen wollte. Bei der ersten Kontaktaufnahme boten wir diesem Unternehmen die gemeindeeigenen Wiesen im „Wiehe“ mit einem Hektar Gesamtfläche an.
Wir ließen durchblicken, dass wir darüber hinaus in der Lage wären, weitere Nachbargrundstücke anzubieten. Zu unserer Verwunderung konnten wir dabei in Erfahrung bringen, dass die Gemeinde Bantorf die gleiche Absicht hegte wie wir. Außerdem forderte die Getränkefirma einen Gleisanschluss zum zukünftigen Fabrikgelände auf Kosten der Gemeinde. Das erforderte zudem noch den Bau einer Eisenbahnbrücke über die Aue.

Hierauf ließen wir uns von der Firma Kruse aus Sehnde, die zu jener Zeit gerade die Wasserleitung für den Wasserbeschaffungsverband baute, einen kostenlosen Voranschlag über die Gleisund Brückenkosten aufstellen, der die Mindesthöhe der erforderlichen Investitionssumme auf 150.000 DM ansetzte. Trotz leerer Kasse waren wir geneigt, eine so hohe Summe aufzubringen, falls wir den Zuschlag für das Fabrikprojekt erhalten würden. Aber aus Gründen, die wir nicht erfuhren, verzichtete die Getränkefirma auf unser Angebot.
Das war unser Glück, denn fünf Jahre später benötigten wir das Wiesengelände selbst für die Errichtung des Sportzentrums an der Lyhrener Straße. Und nach weiteren fünf Jahren wurde auch die Eisenbahnstrecke Bad Nenndorf Münder stillgelegt. Auf jeden Fall hatte die Gemeinde Apelern hierbei sprichwörtlich mehr Glück als Verstand.

Wo im Leben unserer Vorfahren Jagd und Landwirtschaft betrieben wurde, stellte sich zwangsläufig auch der Bedarf an Handwerkern ein, die ja das erforderliche Werkzeug und Arbeitsgerät herzustellen und zu reparieren hatten. Dem in früheren Zeiten schwer arbeitenden Bauern mangelte es auch an der Zeit, um seine Gebäude und seine Geräte zu erneuern. Zudem mussten seit dem frühen Mittelalter viele Bauernsöhne, die keinen Hof erbten oder nicht siedeln konnten, oder auch nicht einheiraten konnten, einen anderen Weg für die Sicherung ihres Lebensunterhalts einschlagen. So haben viele von ihnen den Weg zum Handwerk gefunden, wenn sie nicht auswandern wollten. Weil das Handwerk lebensnotwendig war, stand es bald in Land und Stadt in sehr hohem Ansehen. Insbesondere entwickelte sich in den Städten sehr früh das Zunftwesen, d.h. dass sich die Handwerker in Zünften zusammenschlossen, in deren Mittelpunkt das Zunfthaus stand. Die Zünfte waren mit einer Berufsgenossenschaft vergleichbar, die das wirtschaftliche Leben der ihr angeschlossenen Handwerker regelte. Nur ein Angehöriger der Zunft durfte im Mittelalter das betreffende Handwerk ausüben.

Die Zunft überwachte auch die Güte der Arbeit, sie setzte den Preis fest, sie bestimmte die Menge der herzustellenden Produkte nach dem jeweiligen Bedarf, sie setzte die Anzahl der Lehrlinge und Gesellen für jeden Meister und die Anzahl der Meister in jeder Stadtund Landgemeinde fest, und überwachte außerdem noch die gesamte Ausbildung (Lehrlingszeit, dreijährige Wanderzeit als Geselle und das Meisterstück). In den Städten war die Zunft oft zugleich eine Lebensgemeinschaft, denn die Mitglieder einer Zunft wohnten meist in einer Straße (Schustergasse, Weber-, Töpfer-, Böttcher-, Wagner-, Schreinergasse usw.). Besonders strenge Grundsätze galten für die Meisterstelle, die wie ein Bauernhof vererbt wurde. Wer nicht erbte oder einheiratete, blieb „JungGeselle“ und konnte keine Familie gründen. Deshalb wanderten viele Junggesellen aus. Durch das hohe Ansehen, das die Zünfte genossen, ergab es sich, dass viele ihrer Mitglieder schon sehr früh im öffentlichen Leben der Landund Stadtgemeinden eine Rolle spielten. Daher übten viele von ihnen neben ihren beruflichen Pflichten das Amt eines Ratsherren oder eines Bürgermeisters aus.

Als der Fürst v. Hardenberg als Nachfolger des Freiherrn vom Stein im Jahre 1810 preußischer Staatskanzler wurde, neigte sich die Politik in Preußen und den übrigen deutschen Ländern dem Liberalismus zu. Ohne Zweifel war v. Hardenberg der Wegbereiter des Liberalismus in Preußen. Die Plattform seiner Politik war die bürgerliche Gleichheit. Aus dieser Einstellung heraus schaffte er das Zunftwesen ab und führte die bereits unter Napoleon in Frankreich ausgebreitete Gewerbefreiheit ein, die nur von der Zahlung einer Gewerbesteuer abhängig war. Die Nachbarstaaten Preußens konnten es sich damals nicht erlauben, einen solchen Umwälzungsprozess zu ignorieren. So wurde die Gewerbefreiheit auch in Kurhessen und folglich auch in der Grafschaft verordnet. Den Bürgern der Grafschaft Schaumburg gab sie das Recht zur freien Wahl des Berufes und zur freien Niederlassung für die Ausübung eines Gewerbes. Damit waren aber auch alle Pflichten zum Nachweis der fachlichen Eignung hinfällig geworden. Leider muss hinzugefügt werden, dass nun in mancher Hinsicht unter den Gewerbetreibenden das Geld bald eine führende Rolle einnahm.

Nach wenigen Jahrzehnten zeigten sich die Schattenseiten der verordneten Gewerbefreiheit vor allem im Bereich des Handwerks recht deutlich dadurch, dass das „ehrbare Handwerk“ verschiedentlich in den schlechten Ruf geraten war, keine solide und zuverlässige Dienstleistung mehr zu vollbringen. In das Handwerk hatten sich bereits zu viele Nichtskönner und Geldschneider eingeschlichen. Zur Abwehr einer weiteren, nichtfachmännischen Unterwanderung wurde in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts das Innungswesen entwickelt, dessen Notwendigkeit die damalige Reichsregierung dadurch bestätigte, indem sie um die Jahrhundertwende den Innungen eine gesetzliche Grundlage beschaffte und diese als zwingend verordnete. Jeder selbständige Handwerker musste nun Mitglied der Innung sein und hatte sich nach den Vorschriften der Innungssatzung zu richten. Eine der Hauptaufgaben der Innung war die Überwachung des Lehrlingswesens und die Abnahme der Gesellenprüfung.

Gleichzeitig kam es überall zur Einrichtung von Handwerkskammern auf der Ebene des Regierungsbezirkes. Diese haben u.a. die Aufgabe, Meisterkurse einzurichten und Meisterprüfungen vorzunehmen. Diese Aufgaben haben die Kammern noch heute. Sie werden in ihrer Funktion durch die Gewerbeordnung gestützt.
Während der zwölf Jahre des Nationalsozialismus (1933-1945) wurde das Handwerk geschlossen in die NSHAGO, einer Untergliederung der NSDAP, überführt. Die Führungsspitze dieser verstaatlichten Berufsgenossenschaft musste nach dem damaligen Führerprinzip die Mitgliedschaft der NSDAP besitzen. Man feierte Jahr für Jahr den sogenannten „Tag des Handwerks“ mit festlich geschmückten Wagen, die in ihrer Aufmachung die verschiedenen Handwerkerberufe symbolisierten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das freiwillige Innungswesen, welches sich in Fachverbänden auf der Ebene eines Bundeslandes organisierte. Darüber hinaus entwickelte sich auf der Ebene der Bundesrepublik ein Dachverband: der „Zentralverband des deutschen Handwerks“. Diesem fällt die Aufgabe zu, die Interessen des Handwerks gegenüber der Bundesregierung zu vertreten.
Aus der Blütezeit der Zünfte hat sich im heutigen Handwerk wieder ein schöner Brauch fest verankert: die feierliche Freisprechung der Lehrlinge durch den Innungsobermeister, indem dieser vor geladenem Publikum (Eltern und Lehrherren) der Handwerkslade den Gesellenbrief entnimmt und diesen dem frisch gebackenen Gesellen übergibt. Die ganze Zeremonie wird dabei von klassischer Musik umrahmt.

Wie es um das Gewerbe in Apelern um 1800 bestellt war, offenbart uns das Steuerbuch aus dem Jahre 1783. Darin heißt es:
„An Gewerbetreibenden finden sich unter der Specification ‚Personen‘ ein Kaufund Handelsmann, ein Oehlund ein Grütze-Müller, drey Wirthe, zwey Wagnere, drey Grob-Schmidte, ein Klein-Schmidt oder Schlößer, drei Zimmer-Leute, drey Schreinere, ein Faßbinder, ein Schneider, fünf Schuhmacher, ein Leinweber, ein Maurer.“
Hierbei ist auffällig, dass die Anzahl der Schuhmacher im Verhältnis zu allen übrigen Handwerkern sehr hoch war. Folglich müssen die Einwohner Apelerns in jener Zeit wohl viel unterwegs bzw. auf den Beinen gewesen sein.
Fast einhundert Jahre später (1880) beherbergte Apelern fast die gleiche Anzahl an Handwerkern:

Handwerker in Apelern (1880)
Handwerker in Apelern 1980er

Welche Zeiten auch immer ein Gemeinwesen wie Apelern zu bestehen hatte, ohne die Händler und ihre Waren hätte das Wirtschaftsleben nicht funktionieren können. Das eigentliche Ladengeschäft kam freilich erst sehr spät zur Geltung. Seit dem Mittelalter besorgten die Märkte als regelmäßige Treffpunkte der Warenkäufer und verkäufer in Stadt und Land den Umsatz der Gebrauchsartikel, der Nahrung und der Bekleidung. Von dem Handel auf dem Apelerner Markt wissen wir, dass dieser etwa um 1840 herum eingestellt wurde. Daneben hielten sich die reisenden Kaufleute, auch die sogenannten Kiepenkerle, ihre berufliche Chance offen.
Zu den Gewerbetreibenden, die sich schon sehr früh nach dem Rückgang des Markthandels in Apelern niederließen, gehört die Kaufmannsfamilie Mönkeberg.

Im Jahre 1952 konnte das Kaufhaus das einhundertjährige Jubiläum feiern. Der Gründer des Unternehmens war der am 8.9.1824 in Grove geborene Carl Heinrich Sebastian Mönkeberg. Dieser nahm sich am 2.12.1852 die Tochter des Bäckermeisters Christoph Seehausen in Apelern zur Ehefrau. Die Ehe und die Schließung des Marktes waren der Grundstein für das wirtschaftliche Gedeihen des Kaufhauses. Als Kaufleute mit Leib und Seele der Kaufmann hatte von der Pike auf gedient verstand es das Ehepaar, seine Position stetig auszubauen und zu festigen. Mönkeberg besaß auch die nötige Erfahrung, seinen Gewinn aus dem Ladengeschäft zielstrebig und rationell in anderen Projekten anzulegen. Sein Gespür für zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen und eine glückliche Hand brachten ihm weitere Gewinne ein.

Bild: O.v.Blomberg

Abb.5 -7 : Ansicht auf den alten Markplatz, das Kaufhaus Mönckeberg vor dem Umbau und danach

Während der Verkoppelungszeit kaufte er die ehemalige staatliche Ziegelei und einige tonhaltige Parzellen der Hudeberechtigten. Daraus entstand nach der Aufgabe des Ziegeleibetriebes ein kleiner Bauernhof, den später sein Sohn, Dr. Carl Mönkeberg, genannt der „dicke Doktor“ erbte. Da der Dr. Carl seinen Lebensstil nicht den Erträgen des Hofes anzupassen vermochte, musste die ziemlich abgewirtschaftete Hofstelle bald verkauft werden.
Im Jahre 1897 übernahm der 1860 geborene Sohn Heinrich das Ladengeschäft. Dieser baute im Jahre 1905, im Todesjahr des Vaters und Firmengründers, das Kaufhaus nach den damaligen Gegebenheiten und modernen Gesichtspunkten aus. Unter der Leitung des Sohnes Heinrich stand das erneuerte Kaufhaus weiter in Blüte. Er hatte sich, der damaligen Zeit entsprechend, auch auf den Verkauf von Heizund Beleuchtungsmitteln (Kohle und Petroleum), Textilien und besonders auf den Handel mit Schaumburger Trachten verlegt.

Nach dem Tode des zweiten Heinrich Mönkeberg im Jahre 1936 übernahm der dritte Heinrich die Geschäfte des Unternehmens. Der zukünftige Erbe, der vierte Heinrich, verließ Apelern mit seiner Familie im Jahre 1965 und zog nach Görsroth nördlich von Wiesbaden. In Wiesbaden übernahm er die Geschäftsführung einer Textilfirma, die er heute noch innehat. Wegen seines Alters gab der dritte Heinrich sein Geschäft in Erbpacht an Frau Helga Bratz, die es unter der Bezeichnung „Spar-Markt“ weiterführte.
Mit dem Tode des Verpächters im Jahre 1982 erlosch der schillernde Name Mönkeberg als Garant einer 130jährigen ehrenhaften Kaufmannstradition im Wirtschaftsleben Apelerns.
Als Konkurrenz zum Kaufhaus Mönkeberg richtete der Bergmann Heinrich Schwake im Jahre 1905 in seinem Hause Nr. 71 , heute Soldorfer Straße 2, ein kleines Ladengeschäft für den Verkauf von Lebensmitteln als Nebenerwerb ein. Indem er sich vor allen Dingen auf Waren zur Bedarfsdeckung bei Hausschlachtungen spezialisierte, wich er einer möglichen Existenzgefährdung geschickt aus. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm sein Sohn Friedrich das Ladengeschäft, der als Kriegsbeschädigter heimgekehrt war und von der Beschädigtenrente allein nicht leben konnte.

Nach der Heirat mit Engel Söffker aus Lyhren war es für Friedrich möglich geworden, den Laden zu vergrößern und seinen Umsatz so zu steigern, dass seine Familie ihr gutes Auskommen hatte. Da sein einziger Sohn Friedrich im Zweiten Weltkrieg fiel, und er selbst im Jahre 1958 starb, fiel das Ladengeschäft seiner Tochter Elsbeth Bierend zu. Diese führte es selbst nur ein Jahr lang und verzog darauf nach Hameln. Zum gleichen Zeitpunkt (1959) verpachtete Elsbeth ihr Grundstück mit dem Ladengeschäft an den Herrn Kurt Krebs aus Stadthagen. Dieser ließ den Laden ein Jahr später (1960) auf die jetzige Größe umbauen. Unter der Handelsmarke „Edeka“ wird das Geschäft gegenwärtig von Frau Gabriele Koller, geborene Krebs, weitergeführt.

Handlungsreisende und alle übrigen Fremden, die ihren Anschluss an die Postkutsche oder später an die Eisenbahn verpassten oder deren Reisegefährt ausfiel, brauchten in Apelern nicht auf dem Heuboden oder bei „Mutter Grün“ zu übernachten. Für solche Pechvögel gab es hier etwa seit der Reichsgründung (1871) das Hotel „Drei Kronen“. Einen Vergleich mit einem Hotel in einer Stadt konnte es selbstverständlich nicht aushalten. Im Grunde war es eine Gastwirtschaft, die im Mittelpunkt des Vereinslebens und des dörflichen Gesellschaftslebens stand, und in der man übernachten konnte.
Erbauer und stolzer Erstbesitzer war der in Raden geborene und mit Sophie Helper verheiratete Friedrich Görling. Nach dem Tode ihres Mannes Friedrich heiratete Frau Sophie ihren Nachbarn Christoph Grupe vom Hofe Nr. 6. Ehe Christoph den Hof seines Vaters übernehmen konnte, stand er für mehrere Jahre auch in der Gastwirtschaft seinen Mann. Da im Zeitalter der Wachskerzen und der Petroleumlampen die Häuser leicht in Brand gerieten, verschonte der Feuerteufel am Ende des 19. Jahrhunderts auch das Hotel „Drei Kronen“ nicht.
Bei der Brandbekämpfung soll es damals mutigen Männern der Pflichtfeuerwehr „unter Lebensgefahr“ gelungen sein, in die Kellerräume des brennenden Hauses vorzudringen und nicht wenig Vorräte an Bier und Wein vor den Flammen zu retten. Das Ergebnis dieser Rettungsaktion soll, so weiß man noch heute zu berichten, ein feuchtfröhliches Feuerwehrfest aprés feu (nach dem Brande) gewesen sein.

Der Sohn des Friedrich Görling, der zweite Friedrich, schloss den Ehebund mit Marie Frantz aus Fischbeck. Das väterliche Anwesen erbte er im Jahre 1890.
Die Bewirtschaftung des Gasthauses wollte ihm anfangs nicht so recht glücken. Deswegen verkaufte er den Betrieb an den Gastwirt Wundram und pachtete für sich das Hotel „Zur Bünte“ in Rinteln. Im Jahre 1910 verkaufte Wundram das Hotel „Drei Kronen“ an den Wirt Friedrich Struckmeier, der es bis zum Jahre 1919 führte. Der inzwischen mit seiner Familie aus Rinteln zurückgekehrte zweite Friedrich Görling brachte nun die ehemalige väterliche Hinterlassenschaft wieder in den Besitz der Familie zurück. Nach seinem Tode übernahm der Sohn als dritter Friedrich den Hotelbetrieb und überließ ihn schließlich seiner Schwester Emma, die man freundlich „Tante Emma“ nannte. Als schließlich auch „Tante Emma“ das Zeitliche gesegnet hatte, verkaufte die Erbengemeinschaft Görling den Betrieb an den Herrn Ilse aus Algesdorf. Danach kam das Anwesen in den Besitz des Gottfried Höhle. Dieser nahm eine gründliche Renovierung vor und führte es unter dem neuen Namen „Zum alten Friedrich“ weiter bis in die Gegenwart.

Dem Hang der Bewohner Apelerns dann und wann für ein paar Stunden den Alltag zu vergessen, kam der Brinksitzer und Krüger Conrad Geveke mit der Eröffnung einer Schankwirtschaft im Hause Nr. 20 schon im Jahre 1796 nach. Um das Jahr 1880 ging die Wirtschaft in den Besitz des Heinrich Seehausen über. Da er ohne Nachkommen blieb, erbte seine Nichte Sophie Steinmeier die Gastwirtschaft mit 15 Morgen Ackerland. Diese vermählte sich im Jahre 1919 mit Karl Lohmann aus Westerwald. In dieser Notzeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg geriet die Familie Lohmann in finanzielle Schwierigkeiten und verkaufte das Anwesen 1932 an den Kaufmann Traupe aus Beckedorf. Die Lohmanns verschlug es auf einen Siedlungshof im Kreise Demmin in Vorpommern. Traupe verpachtete die Gastwirtschaft an Heinrich Gehrke aus Bad Nenndorf, der sie bis zum Jahre 1952 bewirtschaftete. Gehrke verzog aber bald nach Rodenberg und pachtete die dortige Bahnhofswirtschaft. Nun schloss nach 156jähriger Gastfreundlichkeit die gemütliche Bierstube „Zum Stern“ im Unterdorf für immer die Pforten.

Es muss schon an der Vorliebe zur Pflege der Geselligkeit der Apelerner gelegen haben, wenn in dem Dorf, das im Jahre 1813 nur 527 Seelen beherbergte, noch Bedarf für eine dritte Gastwirtschaft vorhanden war. In jenem Jahre erhielt nämlich der Apelerner Bürger des Königreiches Westphalen Friedrich Fromme durch ein Dekret des Königs und Bruders Napoleons in Kassel mit der Unterschrift des damaligen Bürgermeisters v. Hammerstein das Patent zur Betreibung einer Schankwirtschaft. Der mir noch bekannte Nachkomme Johann Karl Ludwig Fromme besaß außer der Gastwirtschaft „Zur Linde“ noch einen kleinen Lebensmittelladen und eine kleine Produktionsstätte für den damals hoch im Kurs stehenden Kautabak. Beim Lindenwirt fühlte sich in jener Zeit besonders die ältere Generation der Apelerner Bürgerschaft wie zu Hause. Die Wirtschaft war vor allem die Hochburg der älteren Skatbrüder, die Sonntag für Sonntag ihre Stammtische im Lokal besetzt hielten. Es wurde auch regelmäßig dort gesungen, denn die Frommesche Gastwirtschaft war zugleich das Vereinslokal des alten Gesangsvereins „Liedertafel“.

Da der Gastwirt Johann Fromme nichts vom Heiraten hielt, sollte sein Neffe Louis Wedekind sein Nachfolger werden. Dieser fiel jedoch als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg. So ergab es sich, dass Fräulein Marie Tegtmeier die Gastwirtschaft „Zur Linde“ weiterführte. Im Jahre 1927 pachtete der Schuhmachermeister Heinrich Meyer von Nr. 53 die Gaststätte, die er später käuflich erwarb.
Als er sich im hohen Alter zur Ruhe setzte, übernahm seine Tochter Minna Tegeler die Nachfolge. Wegen des eigenen Alters und der Erkrankung ihrer Schwester Sophie stellte Minna den Betrieb der Gastwirtschaft im Jahre 1972 für immer ein. Damit schloss eine alte, bürgerliche Schankwirtschaft nach 158jähriger Gastfreundlichkeit ebenfalls endgültig die Pforten.

Eine alte Aufnahme der Gaststätte "Zur Linde" (Bild: Heimatverein Apelern e.V.)
Die ehemalige Gaststätte "Zur Linde" heute (Bild: Heimatverein Apelern e.V.)

Das Bankwesen trat als gewerbliches Unternehmen auf dem Lande im Vergleich zur Handwerkerund Kaufmannschaft erst ziemlich spät in Erscheinung. Obwohl es in den Städten seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts als Kreditinstitution, Wertpapierhandlung, Geldumtauschstelle und Vermittlung bargeldlosen Geschäftsverkehrs sehr populär wurde, konnte es in den Dorfgemeinschaften erst seit der Jahrhundertwende langsam Fuß fassen. Das Wirtschaften war auf dem Lande bis dahin auf das Zahlen und Empfangen von „blanken Talern“ abgestellt.
Erst im Jahre 1905 wurde in Apelern eine Nebenstelle der Kreissparkasse Rinteln im Scherhornschen Hause eingerichtet, deren Geschäfte neben den eigenen abgewickelt wurden. Aber nach dem 25jährigen Geschäftsjubiläum wurde im Hause Nr. 41 am 1.12.1933 eine „Hauptzweigstelle Apelern“ der Kreissparkasse eröffnet. Der erste, hauptamtliche Leiter der Zweigstelle war Heinrich Scherhorn. Dort blieb sie bis zum Jahre 1960. Nach der neuen Ortsbeschilderung war ihr Standort „Auf der Bult“ Nr. 2. Danach wurde die Zweigstelle in den Anbau des Heinrich Hilkerschen Hauses in der Hauptstraße Nr. 11 verlegt. Nach der GemeindeGebietsreform änderte die Bank ihre Firmenbezeichnung. Seitdem nennt sie sich „Sparkasse Grafschaft Schaumburg“ und beschäftigt gegenwärtig drei Angestellte.

„Die Konkurrenz schläft nicht.“ Dieses im Geschäftsleben umgehende Schlagwort bewahrheitete sich in der Tat auch in Apelern, wenn auch erst nach 68 Jahren. Denn im Jahre 1968 errichtete die „Volksbank Rodenberg e.G:“ eine Zweigstelle im Anbau des Willi Kniefschen Hauses „Am Marktplatz“ Nr. 3. Seit dem Jahre 1983 befindet sie sich im Hause des Dieter Knief in der Hauptstraße 33. Die Volksbanken sind aus den ländlichen RaiffeisenGenossenschaften hervorgegangen, die ursprünglich nur der Landwirtschaft und ihrem Geldverkehr gute Dienste leisten sollten. Sie gehen auf ihren Gründer Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) zurück. Raiffeisen war Bürgermeister mehrerer kleiner Gemeinden. Die Missernten der Jahre 1846 und 1847 mit der nachfolgenden Teuerung, Not und Verschuldung der Bauern seiner Gemeinde brachten ihn auf den Gedanken, von der Hilfsbereitschaft geprägte Dorfvereine zu gründen. Diese vergaben bei solidarischer Haftung billige Kredite an ihre Genossen (Mitglieder), versorgten sie durch zentralen Einkauf (Großeinkauf ) günstig mit Saatgut und Geräten und regelten auch den Verkauf der landwirtschaftlichen Produkte genossenschaftlich. Später gelang es ihm, der landwirtschaftlichen Selbsthilfe die staatliche Unterstützung zu sichern.

Das Wachstum der Wirtschaft eines Landes hängt im Wesentlichen von der Stabilität seiner Währung und niedrigen Kreditzinsen ab. Da es in diesem Bereich in den letzten einhundert Jahren ein beständiges Auf und Ab gab, so wechselten sich Zeiten der Blüte mit Zeiten der Not häufig ab. Nach der Gründung des Deutschen Reiches (1871) wurde der Taler im Jahre 1874 durch die Reichsmark ersetzt. Die in Umlauf gesetzten Banknoten wurden mit Gold abgesichert (Goldwährung). Da der Erste Weltkrieg die Goldvorräte des Reiches aufzehrte und die Versailler Siegermächte dem Reich unmäßige Reparationen und Tributzahlungen (132 Milliarden Goldmark durch Londoner Ultimatum vom April 1921) bei einhundert Milliarden Goldmark innerer Schulden (z.B. durch Kriegsanleihen) auferlegten, brach das alte Währungssystem vom Jahre 1874 am Ende einer Inflation zusammen. Nach dem Plan des Führers der Deutschnationalen Partei, Helfferich, wurde im November 1923 die Rentenmark-Währung eingeführt. Statt der Deckung der Währung durch Gold wurden die Landwirtschaft, die Industrie, der Handel und die Banken mit fünf Prozent der Sachwerte belastet. Die Verzinsung der Schuldanweisungen erfolgte durch eine „Rente“. Der Druck von Notgeld wurde verboten. Gleichzeitig erfolgten Steuererhöhungen, Gehaltsund Lohnkürzungen, Abbau von öffentlichen Bediensteten und eine Einschränkung aller innerstaatlichen Ausgaben. Durch die Einführung der Rentenmark wurde der totale wirtschaftliche Zusammenbruch des Deutschen Reiches vorerst verhindert.

Bild: I. Klaerding
Bild: I. Klaerding
Bild: I. Klaerding
Bild: I. Klaerding

Eine zweite Inflation mit Währungsreform erlebten die Deutschen, die den Zweiten Weltkrieg überstanden hatten, am 20.6.1948 auf Anordnung der alliierten Besatzungsmächte. Aus ihr ging die „Deutsche Mark“ hervor. Der Banknotenumlauf wurde auf 14 Milliarden begrenzt. Gleichzeitig wurden auch 45,2 Milliarden Reichsmark Sparguthaben auf 2,2 Milliarden abgewertet. Die neue Deutsche Mark stützte sich auf Rücklagen der Deutschen Bundesbank und auf das Produktivvermögen der deutschen Wirtschaft.
Seit ihrer Einführung hat die Deutsche Mark nach 38 Wirtschaftsjahren etwa 50 Prozent ihres ursprünglichen Wertes verloren. Das zeigt eine langsame, aber unaufhaltsame Inflation an. Besorgniserregend für die Allgemeinheit sind besonders die seit der Ölkrise im Jahre 1973 in den Auftrieb geratenen Zinsen für Kreditgeschäfte. Die Banken trieben damals z.B. die Baukredite schon bis auf 15 Prozent in die Höhe. Investitionshemmend wirkte seitdem auch die Tatsache, dass sich die Banken kaum noch auf Festkonditionen (d.h. auf feste Zinssätze) bei Kreditgeschäften einließen.
Die seit einigen Jahren durch die Hochrüstung in der westlichen Welt erneut in Schwung geratene Hochzinspolitik der Banken der westlichen Welt wirkt sich sehr nachteilig auf die nichtmilitärische Produktion und Wirtschaftsentwicklung aus.

Die vom Westen stark beeinflusste Weltwirtschaft kann doch nicht vernünftig und ausgewogen funktionieren, wenn z.B. allein die Deutsche Bundesbank, die in ihrer Größe gegenüber anderen privaten internationalen Großbanken wie ein kleiner Zwerg erscheint, im Jahre 1985 einen Zins-und Devisenbörsenund Spekulationsgewinn von rund 13 Milliarden DM eingefahren hat. Wenn der Trend der Kapitalverlagerung zu den Banken hin weiter anhält, so wird das Einläuten der nächsten Weltwirtschaftskrise nicht länger aufzuhalten sein; es ist dies dann nur noch eine Frage des Zeitpunktes, und es sieht so aus, als würden alle Bremsfunktionen versagen. Diese drohende Krise wird die Bundesrepublik nicht verschonen, wenn sie gegenwärtig im Vergleich zu anderen Ländern auch eine niedrige Inflationsrate (z.Z. etwa 2-3 Prozent) hat. Sie steht vor dem Problem, ob und wie sie die 850 Milliarden DM Schulden der öffentlichen Haushalte (Bund, Länder und Gemeinden) in den kommenden Jahren ohne eine dritte „Währungsreform“ tilgen kann.