Seit dem Mittelalter waren Zeiten der Kolonisation, des Hungers und der allgemeinen Not durch Missernten und Kriege für viele Deutsche ein Anlass zur Auswanderung. So erreichte die Zahl der Auswanderer nach Nordamerika um die Mitte des vorigen Jahrhunderts einen neuen Höhepunkt.
Als Ursache kann man die Auszehrung des Volkes in der Ära Napoleon I., die Vorenthaltung versprochener Freiheiten und Rechte (Bauernbefreiung, Aufhebung der Zinsknechtschaft usw.) und die große Hungersnot um das Jahr 1840 nennen.
Zum letzten Ereignis möchte ich nun das wiedergeben, was der Prediger Carl Heinrich Gottlieb damals in das Kirchenbuch schrieb: „In dem Jahre 1840 war eine so bedeutende Teuerung an Korn und Kartoffeln, die durch Misswuchs wegen großer Hitze und wenigen Regens entstanden war. Der Himpten Roggen kostete 3 mg 18 mgf, der Himpten Gerste 2 rf 24 mgf und der Himpten Hafer 1 rf 18 mgf. Kartoffeln waren so sparsam auch wegen einer Krankheit, dass man die Felder nicht gehörig bestellen konnte. Diese Teuerung war überall in Deutschland und in den angrenzenden Ländern, und viele Menschen starben vor Hunger.“

Der erste Auswanderer nach dieser „Teuerung“ war der Kleinbauer Dietrich August Hotze von Nr. 10, der seinen Hof mit zwei Zugkühen im Jahre 1842 an Emil Schröder verkaufte. Zehn Jahre später riss der Verwalter Reimerdes die veralteten Gebäude ab und erbaute ein kleines Wohnhaus, dessen heutiger Besitzer Wilhelm Leifheit in der Hauptstraße Nr. 20 ist.
Als nächster Auswanderer verkaufte der Brinksitzer Johann Heinrich Pfingsten im Jahre 1849 sein Anwesen Nr. 17 an den Bäckermeister Johann Friedrich Seehausen. Der Auswanderer Johann Pfingsten soll es in der sogenannten „Neuen Welt“ zu beträchtlichem Wohlstand gebracht haben.
Denn sein Großsohn Hermann tauchte in den zwanziger Jahren für eine längere Zeit in Apelern auf, um die engste Heimat seiner Vorfahren kennenzulernen. Ich erinnere mich noch daran, dass Geld für Hermann Pfingsten damals keine Rolle spielte. Bei seiner Spendierfreudigkeit trank ich damals in meinem Leben den ersten Sekt. Wir Burschen ließen uns gern und oft von ihm zu einem „drink“ einladen, ohne uns zu „revanchieren“. Wir waren damals fest davon überzeugt, dass derjenige, der sich eine Reise über den „großen Teich“ leisten konnte, ein sehr reicher Mann sein müsse und durch unsere Einladung beleidigt worden wäre. Es war ja damals auch die Zeit, in welcher man in Deutschland mit ein paar Dollar in der Tasche enorme Werte aufkaufen bzw. Währungsspekulation betreiben konnte.

Seinem Beispiel folgte im Jahre 1850 der Halbkötner Karl Christian Rehborg, welcher seinen Hof Nr. 12 an Alexander v. Münchhausen verkaufte. Die jetzige Besitzerin ist Heidi Tölcke, Rehbockstraße Nr. 5.
So ist in den Schaumburger Heimatblättern zu lesen; in dieser Zeit wanderten vom Hof Nr. 8 und Nr. 22 nach Amerika aus: Heinrich Meier, Ackermann, mit Frau, 2 Söhnen und 3 Töchtern, hat 2000 Thlr./ Johann Möhling, Bauer, mit Frau, 4 Söhnen und 1 Tochter, hat 4000 Thlr.
Im Jahre 1926 zog es den Landwirt Gustav Poppe, den Sohn des ehemaligen Pächters des v. Hammersteinschen Gutes nach Südwest-Afrika, dem heutigen Namibia.
Poppe kaufte sich in dem von Deutschen besiedelten Norden eine Farm und blieb dort ansässig. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er, wie alle Deutschen im feindlichen Ausland, interniert. Er starb dort in den sechziger Jahren.Ein Auswanderer verließ Apelern im Jahre 1937 aus religiöser Überzeugung. Es war der gelernte Tischler Heinrich Fedderke, der danach in einer Missionsstation in Hermannsburg (Südafrika) Fuß fasste.
Es wurde bekannt, dass er dort noch heute im Ruhestand im Kreise seiner Familie lebt.

Als vorläufig letzter Auswanderer ist der Uhrmacher Friedel Wöltge anzusehen, den es im Jahre 1952 ebenfalls nach Südafrika in die Umgebung von Pretoria verschlug. Er soll sich dort hochgearbeitet haben und inzwischen der Inhaber von zwei Fachgeschäften sein. Es mag ihn damals in die Ferne gezogen haben, denn wir wissen, dass er sich zu jener Zeit auch im Westen Deutschlands geschäftlich hätte entwickeln können.
Von vielen Auswanderern weiß man, dass sie vor allem in der „Neuen Welt“ bzw. in dem Land mit den „unbegrenzten Möglichkeiten“ einen wahren Pionierdienst verrichteten.
Die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Nordamerika vom 4. Juli 1776 enthält 72 Unterschriften, davon sind 48, also zwei Drittel, deutsche Namen. Bei der Abstimmung in Pennsylvanien über die Staatssprache der USA kam es zu einer Stimmengleichheit zwischen Deutsch und Englisch. Es war leider ein Deutscher als „Sprecher“ des Parlaments, der mit seiner Stimme den Ausschlag zur Einführung der englischen Sprache gab. Auch hat das deutsche Volk in zwei Weltkriegen aus der Tatsache, dass mehr als ein Drittel der Bevölkerung der USA deutschen Ursprungs ist, keinerlei politischen Nutzen ziehen können. Insofern waren die meisten Auswanderer auch verlorene Söhne und Töchter des Vaterlandes.