Ein Staat, der die Einhaltung der bestehenden Gesetze, welche die Ordnung im Gemeinwesen und die Sicherheit der Bürger gewährleisten sollen, im Interesse aller überwachen und kontrollieren will, kann auf die Unterstützung der Ordnungspolizei nicht verzichten. Ihrer staatsrechtlichen Funktion nach ist die Polizei ein Hilfsorgan der Exekutive, der vollziehenden Gewalt. Nach dem Grundgesetz der Bundesrepublik aus dem Jahre 1949 untersteht sie der Hoheit der einzelnen Landesregierungen. In diesem Rahmen ist sie dem jeweiligen Innenminister unterstellt, welcher nicht nur oberster Dienstherr sondern gleichzeitig auch Fürsorgepflichtiger der im Beamtenverhältnis diensttuenden Polizisten ist.

Die Uniformen und die Ausrüstung der Polizei sind deshalb von Bundesland zu Bundesland verschieden. In der Zeit des Kaiserreiches übten in erster Linie lang- und ausgediente Soldaten zu Fuß oder zu Pferde den Polizeidienst aus. In dieser Zeit war der diensttuende Ordnungshüter durch eine einfarbige Uniform mit blanken Knöpfen, langen Stiefeln, einem langen Schleppsäbel, einer Pickelhaube und durch einen furchteinflößenden Schnauzbart gekennzeichnet.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in der Weimarer Republik mit ihren zahlreichen politischen Krawallen, Aufständen und bewaffneten Auseinandersetzungen änderte sich auch die Uniform und die Ausrüstung der sogenannten Schutzpolizei (daher stammt die damals gebräuchliche Abkürzung „Schupo“ für Polizist). Statt der langen Lederstiefel trug der Schupo nun Schnürschuhe und Ledergamaschen, den Tschako, eine Dienstpistole und einen Gummiknüppel zu einer blauen Uniform.

In meiner Jugendzeit vor dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) besaßen die höchste Autorität neben dem Polizisten bzw. Gendarm auch die Lehrer und der Pastor. Vor dem Gendarm hatte man doch, wenn nicht Angst, den größten Respekt. Wenn der in Rodenberg stationierte Gendarm „Sergeant Lang“ mit Pickelhaube und umgeschnalltem Säbel hoch zu Ross durch Apelern ritt, waren wir Kinder blitzartig von der Dorfstraße verschwunden. Vom Jahr 1921 an hatte unser Dorf eine eigene Polizeistation. Diese war mit einem diensttuenden Beamten in blauer Uniform ohne Pferd besetzt. Bis zum Jahre 1945 versahen hier nacheinander die Beamten Fischer, Schuchard, König und Koch den Polizeidienst.

 In den Kriegsjahren des Zweiten Weltkrieges war es die Hauptaufgabe des Dorfpolizisten Koch, die hier dienstverpflichteten sogenannten Fremdarbeiter zu beaufsichtigen. Seit dem Jahre 1946, in welchem sich bekanntlich die Einwohnerzahl fast verdoppelt hatte, versahen zwei Polizeibeamte den Dienst in unserer Gemeinde. Zur Fortbewegung bedienten sie sich ihrer Füße oder des damaligen ersten fahrbaren Untersatzes: des Fahrrades. Zwischen unseren beiden Ordnungshütern Tischer und Lück und unserer Dorfbevölkerung bestand stets ein gutes Verhältnis. Sie fühlten sich in der dörflichen Umgebung so wohl, dass sie sich hier „häuslich“ niederließen, um ihren Lebensabend auch in unserem Dorf verbringen zu können. Während Tischer noch vor Beendigung seiner Dienstzeit starb, ging dieser Wunsch nur für seinen inzwischen pensionierten Kollegen Lück in Erfüllung.

Heutzutage ist die Polizei zwar voll motorisiert, aber ihre Stationen liegen vielfach 10 bis 20 Kilometer voneinander entfernt, meistens nur in den kleinen Städten. Zwar machte es das Telefon möglich, die Polizei im Notfall zu alarmieren, aber häufig ist der Übeltäter bereits „über alle Berge“, wenn die motorisierte Polizeistreife den Tatort erreicht. Ebenso wie in anderen Bereichen vermissen unsere Bürger die Nähe ihres „Freundes und Helfers“: die Nähe der Polizei. Denn bei der Vollmotorisierung der Übeltäter sind heute die Chancen fast gleich Null, einen Rechtsbrecher „auf frischer Tat“ zu erwischen, weil der dafür erforderliche Ein- Mann-Polizeihubschrauber noch nicht zur Standardausrüstung der Polizei gehört.