Viel Ärger bereitete unserer Gemeinde die Sicherstellung der Wasserversorgung für unsere Einwohner, um die sich der Gemeinderat bereits seit dem Jahre 1947 bemühte. Unsere Gemeinde hatte den Vorteil, dass die dafür zu erschließenden Quellen innerhalb unseres Gebietes lagen, und die Erteilung von Wasserrechten uns oblag. Da damals die Gemeinde Bad Nenndorf vor dem gleichen Problem stand, bot sich ein Zusammengehen bzw. die Bildung eines Zweckverbandes an. Deshalb sollte die dem Apelerner Landwirt Friedrich Bremer gehörende, große Allernquelle gemeinsam gekauft und erschlossen werden. Folglich kam es zwischen mir und dem Bad Nenndorfer Bürgermeister Bleidiestel am 23.9.1949 zu einer ersten, mündlichen Vereinbarung, über die ein Aktenvermerk erfolgte:
„Zwischen dem Bürgermeister Bleidiestel der Gemeinde Bad Nenndorf und dem Bürgermeister Wehking der Gemeinde Apelern war mündlich vereinbar worden, gemeinsam die große Allernquelle zu kaufen. Zu diesem Zweck wollten sich beide vorher in der Gastwirtschaft Görling treffen.“

Wider Erwarten hielt sich die Gemeinde Bad Nenndorf nicht an die getroffene Vereinbarung. Schon vor dem vereinbarten Treffen suchten Bürgermeister Bleidiestel und sein Ratsherr Notar Dr. ______ den Apelerner Landwirt Friedrich Bremer auf und schlossen mit ihm zwecks Übereignung der großen Allernquelle einen Erbbauvertrag ab. Nach diesem erstaunlichen Vorgang erfuhren wir auch, dass Bremer, obwohl ein Bürger Apelerns, zuvor der Gemeinde Bad Nenndorf das Angebot unterbreitet hatte. Das ganze Drum und Dran roch nach Überrumpelung; denn wir Apelerner fragten uns, aus welchem Grunde Herr Bremer seiner Heimatgemeinde kein Angebot unterbreitete, und weshalb er uns nicht über seine Verkaufsabsicht in Kenntnis setzte. Die geschäftstüchtigen Nenndorfer hatten aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der Gemeinde Bad Nenndorf ging nämlich bald das Licht auf, dass sie ihren Vorkauf rechtlich ohne unsere Zustimmung nicht nutzen konnte. Deshalb bot sie nun unserer Gemeinde an, in ihr fortgeschrittenes Wasserversorgungsvorhaben einzusteigen, natürlich zu den von ihr gewünschten Bedingungen. Wegen der Gefahr, von einem unaufrichtigen Riesen abhängig und schließlich an die Wand gedrückt und gefressen zu werden, gingen wir darauf nicht ein.

Abb. 1: Wasserwerk des Wasserbeschaffungsverbandes „Nordschaumburg“ in Apelern

Da nun das unserer Gemeinde gegenüber befremdende Verhalten des Landwirts Bremer eine faire Verhandlungsbasis über Wasserrechte im heimischen Allernquellgebiet zunichte gemacht hatte, strebten wir an, für Apelern die kleine Allernquelle an der Straße nach Wiersen zu erschließen. Unser Optimismus wurde noch dadurch gesteigert, dass zur gleichen Zeit (1949) die schon bestehende kleine Wassergenossenschaft LindhorstReinsen zusätzliches Wasser für die Preußag suchte, die in Lüdersfeld eine neue Schlachtanlage baute. Da wir mit der eigenen Nutzung dieser sogenannten „kleinen Quelle“ zusätzliche Einkünfte witterten, beantragten wir bei der Landesregierung die Erlaubnis zur Nutzung der Quelle. Prompt kam aus Hannover die Ablehnung: „Da Apelern als kleiner Ort die Erschließung der Quelle allein nicht finanzieren kann, ist einer Nutzung der gesamten Quellen für einen größeren Versorgungsbereich der Vorrang einzuräumen.“

Dieser Sachverhalt brachte es nun zwangsläufig mit sich, mit der Wassergenossenschaft Lindhorst-Reinsen Kontakt aufzunehmen und zu versuchen, unsere eigenen Vorstellungen durch Bildung eines größeren Wasserverbandes durchzusetzen. Im Mai 1952, nach dreijähriger Anstrengung, zeigte sich für dieses Gemeinschaftsprojekt der erste Erfolg: Es kam zur Gründung des Wasserbeschaffungsverbandes Allern. Danach begann das harte Ringen um die Verleihung der Wasserrechte für das gesamte Quellgebiet. Weil die Gemeinde Bad Nenndorf bereits im Jahre 1949 die große Allernquelle erworben hatte, kam es nun dazu, dass beim Regierungspräsidenten in Hannover zwei Anträge zur Verleihung der Wasserrechte gestellt wurden, der eine von unserem Wasserbeschaffungsverband Allern, der andere von der Gemeinde Bad Nenndorf. Der Regierungspräsident überraschte beide Parteien mit einem salomonischen Urteil. Er verlieh keinem der beiden Antragsteller die Wasserrechte allein, sondern er empfahl den Kontrahenten, sich innerhalb des Allernverbandes auf einen gemeinsamen Antrag zu einigen. Somit mussten beide Kampfhähne Federn lassen. Wer dabei die meisten lassen musste, war in jenem Augenblick von untergeordneter Bedeutung; denn wichtiger war die Tatsache, dass man sich nun zusammenraufen musste. In der Folge blieben anfangs zahlreiche, ergebnislose gemeinsame Verhandlungen nicht aus, bei welchen das unvermeidliche Feilschen meisterhaft ins Spiel gebracht wurde. Zudem flatterten dem Regierungspräsidenten Einsprüche der Anlieger am Riesbach auf den Tisch. Diese wurden aber von ihm abgelehnt, da er in der Ausnutzung der Quellen keine Schädigung der Anlieger erblicken konnte.

Nach fast vierjährigen Verhandlungen wurde schließlich im Frühjahr 1956 eine Einigung erzielt. Bad Nenndorf trat dem Allernverband bei. Um diese Einigung hat sich der damalige Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Hannover, Oberbaurat Teget aus Gehrden, besonders verdient gemacht. Landwirt Friedrich Bremer erhielt eine jährliche Abfindung, die je zur Hälfte von Nenndorf und vom Wasserbeschaffungsverband Allern bezahlt wurde. Er erhielt diese für die Nutzung der großen Quelle mit einer Schüttung von etwa 2000 cbm Wasser. Und die Gemeinde Apelern erhielt für die Nutzung der kleinen Quelle mit einer Schüttung von etwa 500 cbm Wasser eine einmalige Entschädigung von 27000 DM. Dieser Betrag wurde den Hausbesitzern bei der Kostenrechnung für die Hausanschlüsse voll gutgeschrieben. Noch im Jahre 1956 begann man mit der Verlegung der Hauptleitung zum Hochbehälter „Alter Busch“. Ein Jahr später (1957) wurde Apelern als erste Gemeinde mit Wasser aus den Allernquellen versorgt. Im folgenden Jahr (1958) begann man mit dem Bau eines modernen Pumpwerkes mit Sammelbehälter. Aus diesem Sammelbehälter wird seitdem das Wasser nach den südlichen Gemeinden Escher, Schoholtensen, Altenhagen und Reinsdorf und im Norden nach Haste, Idensen usw. gepumpt.

Im März 1958 erfolgte die feierliche Herstellung des Wasseranschlusses der Gemeinde Bad Nenndorf an das Versorgungsnetz des Wasserbeschaffungsverbandes Allern bei der Schleifmühle zwischen Rodenberg und Bad Nenndorf. Hierbei passierte uns leider eine Panne. Bei der Probeentnahme zur Prüfung der Wasserqualität kam statt des erwarteten Trinkwassers echter Steinhäger aus dem Hahn. Die berechtigte Beanstandung von Seiten einiger Herren aus Bad Nenndorf konnte durch sofortige Öffnung des richtigen Hahnes schnell behoben werden. Erst durch den Anschluss von Bad Nenndorf war die finanzielle Sicherheit des Verbandes mit einer Abgabe von mindestens einer Million Kubikmeter Wasser erreicht worden. Für Apelern brachte dies den Vorteil, dass 22 Jahre lang der niedrige Wasserpreis von 59 Pfennig pro cbm gehalten werden konnte.

Abb. 2: Schieberöffnung zur Einspeisung des Allernwassers nach Bad Nenndorf

Die Errichtung der zentralen Wasserversorgung hatte mit der Erweckung eines anspruchsvolleren Lebensgefühls hinsichtlich einer Modernisierung des Wohnens für die Gemeinde eine unvorhergesehene positive Nebenwirkung in der nun beobachteten Zunahme der Neubautätigkeit. Aber auch die Besitzer von Altbauten wurden nun angeregt, moderne Küchen, Badezimmer und Toiletten einzurichten, um das Wohnen bequemer und hygienischer zu gestalten. Der große Aufschwung im Bauen blieb aber noch aus, denn dazu fehlte die zweite, wichtige Voraussetzung: ein zentrales Kanalisationsnetz.
Um dieses Projekt auf volle Touren zu bringen, war nicht so sehr das eigene Wollen, sondern vielmehr eine Maßnahme unserer Kreisbaubehörde ausschlaggebend. Seit etwa 1958 ging die Kreisbaubehörde dazu über, uns nur noch Bauanträge in großflächigen Siedlungsgebieten zu genehmigen, wenn sich unsere Gemeinde verpflichtet, innerhalb einer bestimmten Frist eine zentrale Schmutzwasserkanalisation zu bauen.

Hieraus ergaben sich nun für die Gemeindeverwaltung zwei Möglichkeiten: Verzicht auf Erstellung neuer Bebauungspläne bzw. auf Erschließung neuer Siedlungsgebiete und Drosselung der Bautätigkeit oder Bau der mit sehr hohen Kosten verbundenen, zentralen Kanalisation. Nun war guter Rat teuer. Finanzielle Rücklagen für ein solches Millionenprojekt gab es nicht; denn wenige Jahre zuvor waren eine neue Schule und ein neues Lehrerwohnhaus gebaut worden. Eifrig wurde an der Verschuldungssumme herumgerechnet. Wo man den Rotstift auch anzusetzen versuchte, die Verschuldung war für unser damaliges Schätzungsvermögen so hoch, dass wir es ohne die Zustimmung unserer Bürger nicht wagen wollten, das Projekt anzukurbeln. So kam es zur Einberufung einer Bürgerversammlung in der überfüllten neuen Pausenhalle der Schule; denn hier ging es nun um ein Anliegen, das alle Bürger betraf. Die Bürgerdiskussion drehte sich um die Frage, ob der Gemeinderat dem geplanten Kanalisationsprojekt zustimmen kann. Die vorgebrachten Bedenken konnten es nicht verhindern, dass sich fast die gesamte, versammelte Bürgerschaft für das Bauvorhaben aussprach. Das bedeutete grünes Licht für den Gemeinderat.

Im Vordergrund der Pumpensumpf mit Rechen, hier werden die Abwässer für das ganze Dorf nur einmal um etwa 1,50 m angehoben. Im Gebäude dahinter stehen 2 Pumpen, die den Reinigungsvorgang regulieren. Im Hintergrund links befindet sich der Schlammbehälter.
Im Hintergrund sieht man den 50 m langen Belebungsgraben mit der Käfigwalze, die auf Dauerbetrieb ein- gestellt ist. Vorn befindet sich das Nachklärbecken, welches die entgültige Reinigung vornimmt. Vor dem Abfluss in den Riesbach rechts, wird die Wassermenge noch gemessen.

Den Anfang machte die Ausschreibung der Planungskosten. Mit einem Kostenaufwand von 12.000 DM ging der Planungsauftrag an das Architektenbüro Berendes in Wettbergen. Der Kostenvoranschlag des Architektenbüros für das gesamte Projekt lag bei einer Million DM. Er war, wie sich später herausstellte, sehr genau errechnet worden. Nach Abschluss des Planfeststellungsund Genehmigungsverfahrens ging es darum, ein geeignetes Gelände für den dazugehörigen Bau der Kläranlage zu erwerben. Zur Lösung dieses Problems tauschten wir mit dem Freiherrn v. Münchhausen ein Geländestück mit dem niedrigsten Punkt in der Dorflage im „Großen Kamp“ ein. Dem Bau des Klärwerkes auf biologischer Basis und neuesten Erkenntnissen stand nichts mehr im Wege. Um aber sehr schnell zur Einnahmen von Abwassergebühren zu gelangen, wurden die fertiggestellten Klärbecken bis zur Errichtung des Pumpenhauses und der restlichen Abwasserleitung schon provisorisch in Betrieb genommen. Dadurch wurde es der Gemeinde möglich, bereits ab August 1966 von einem Teil der Einwohnerschaft Gebühren zu erheben. Weitere Auslagen kamen mit der Hausanschlussgebühr herein, die wir auf 1.200 DM festsetzten. Die monatlichen Abwassergebühren wurden auf 1,80 DM pro Einheit (d.h. pro Kopf ) festgesetzt. Vor der endgültigen Fertigstellung des Gesamtprojektes zeigte es sich, dass der Kanalisierungsplan für die Baugebiete „Berliner Straße“ und „An der Spille“ erweitert werden musste. Diese Erweiterung stand mit 70.000 DM zu Buche und wurde mit Mitteln des ordentlichen Haushaltes beglichen. Mit einem Kostenaufwand von 1,1 Millionen DM war der Bau der Kanalisation bisher das größte Vorhaben, das je in Apelern durchgeführt wurde.

Bis zum heutigen Tage lief die Anlage, einschließlich der Kläranlage, ohne nennenswerte Störungen und Unkosten. Ich befürchte allerdings jetzt, dass das Schicksal unserer gut funktionierenden Kläranlage bald besiegelt sein wird; denn die Samtgemeinde Rodenberg ist dabei, in unmittelbarer Nähe ein riesiges Klärwerk zubauen. Die Apelerner Bürger richten ihr Augenmerk aber nicht auf die Größe einer Anlage, sondern auf sparsames Wirtschaften. Sie sind mehr daran interessiert, dass die Schmutzwassergebühren nicht in den Himmel wachsen. Weil die öffentlichen Haushalte keinen Goldesel haben und in die Taschen der Einwohner greifen müssen, müssen sie darauf bedacht sein, mit Steuern und Abgaben sparsam umzugehen.