Die Schule rückte eigentlich erst nach dem 1. Weltkrieg (1914 1918) mehr in den Mittelpunkt des dörflichen Interesses. Um die Jahrhundertwende und davor nahm man es mit der Schulpflicht, und was damit zusammenhing, nicht so genau. Wenn man noch weiter zurückgeht, so stellt man fest, fass das Vorhandensein einer Dorfschule mehr oder weniger von Zufällen abhing: vom Fortschrittsdenken der Dorfelite oder vom Geldbeutel derjenigen, die in puncto Kulturpolitik innerhalb einer Gemeinde mitreden konnten. Wer vor etwa 150 Jahren nicht der Gruppe der Begüterten angehörte, der konnte kulturpolitisch auch nichts bewirken. So gab es eine Zeit, in welcher die Errichtung und der Betrieb einer Schule wie auch der Bau und Unterhalt einer Kirche auf die Konkurrenz der Nachbargemeinden zurückzuführen war. Damals betrachtete man die Gemeinde als die wohlhabendste, welche die geräumigere Kirche oder modernere Schule besaß.

Das zeigt uns, dass Schule und Kirche keine Angelegenheit des Staates waren. Die Gemeinde, und das waren damals in den ländlichen Bezirken ihre Repräsentanten als Gutsbesitzer und reiche Bauern, baute die Schule und bezahlte die Lehrer. War man knauserig, so war der Lehrer ein armer Schlucker, angewiesen auch auf das Deputat, dem in Naturalien entrichteten Teil der jährlichen Entlohnung. Folglich wäre es damals auch ein revolutionäres Ereignis gewesen, wenn eine reiche Bauerntochter einen Lehrer hätte heiraten wollen. Es war damals auch nichts Ungewöhnliches, wenn der „Dorfschulmeister“ in Holzpantinen den Klassenraum betrat, oder wenn er in der verlängerten großen Pause stets seine Bienen versorgte, sein Schwein fütterte oder Gras für seine Kuh oder Ziege mähte.

Abb. 1: Das alte Apelerner Schulhaus

Nach unseren Gemeindeakten lässt sich die Institution Schule bis in das Jahr 1839 zurückverfolgen. In diesem Jahr erwarb der Schulzweckverband Apelern-Lyhren ein schönes Fachwerkhaus und bezeichnete es fortan als „Schulhaus“. Nach vollendetem Umbau beherbergte es zwei Klassenräume. Dem Schulzweckverband als Träger des Schulhauses gehörten je drei von den beiden Gemeinderäten gewählte Vertreter an. Das siebente Mitglied dieses Gremiums, stets der Bürgermeister von Apelern, führte den Vorsitz.
Als der Schulzweckverband befand, dass man es Schülern und Lehrern nicht mehr länger zumuten könne, in Räumen mit durchgebogenen und knarrenden Holzdielen unterrichtet zu werden bzw. zu unterrichten, beschloss er, ein modernes Schulgebäude mit zwei größeren Klassenräumen und daneben Abortanlagen sowie eine Waschküche zu bauen. Das vorgesehene Baugrundstück, ein Garten, befand sich im Besitz des Nachbarn Christoph Bake, der sich aber zunächst weigerte, seinen Garten zu verkaufen. Es konnte erst nach langwierigen Verhandlungen und unter Androhung eines Prozesses vor dem Amtsgericht für 300 Mark gekauft werden. Zwei Jahre später erfolgte die Einweihung.

Abb. 2: Bild aus dem Jahre 1914. Aufnahme vor dem Hause Friedrich Helle, Rodenberger Straße 1, mit Jugendlichen aus dem „Oberdorf “

Zu dieser Zeit leitete der weit über die Dorfgrenze hinweg bekannte Kantor Flake unsere neue Schule. Sein Jahresgehalt war dürftig. Um es aufzubessern, erteilte er privat Nachhilfeunterricht. Nebenbei war er Protokollführer, Schiedsmann, Organist und Chorleiter des Gesangvereins. Kantor Flake starb im Jahre 1904. Sein Nachfolger wurde Rektor Semmler, der die Leitung der Schule für zwei weitere Jahre übernahm. Semmler soll den Akten zufolge eigentlich Theologe gewesen sein. Dieses war damals nichts Besonderes, denn es ist bekannt, dass noch bis zum Jahre 1919 der jeweilige Pastor von Apelern gleichzeitig Rektor der Schule war. Demnach muss der Einfluss der Kirche auf die Schule unseres Ortes zu der Zeit sehr groß bzw. wieder sehr groß gewesen sein. Ebenso entnimmt man der Geschichte des Deutschen Kaiserreiches, dass der Reichskanzler v. Bismarck später einen Teil der gegen die Kirchen gerichteten Maigesetze von 1873 um des inneren Friedens willen zurücknehmen musste. In diesem Zusammenhang kann ich mich selbst noch gut daran erinnern, dass während meiner Schulzeit Herr Pastor Sommerlath jährlich mehrmals in die Schule kam, um unsere Kenntnisse in christlicher Unterweisung zu überprüfen. Nach der Jahrhundertwende kamen die meisten Lehrer aus Hessen-Nassau in die Grafschaft Schaumburg.

Einer dieser Hessen war der Lehrer Georg Lambert, welcher von 1902 bis 1921 die Apelerner Schule leitete. Daneben auch er noch Organist, Schiedsmann, Chorleiter und ein leidenschaftlicher Bienenzüchter. Während des 1. Weltkrieges hatte es Kantor Lambert besonders schwer. Er musste hier in der Kriegszeit täglich 80 Schüler der Klassen 1-8 unterrichten und zweimal in der Woche zusätzlichen Unterricht in Reinsdorf erteilen, wo er einst in der Zeit von 1878 bis 1899 unterrichtet hatte. Die Not und der Hunger der Bevölkerung während des Krieges brachten es mit sich, dass auch die Apelerner Schülerschaft ihren Beitrag zum Sieg mit zu leisten hatte. Deshalb schwärmten wir häufig während der Unterrichtszeit aus in die Fluren, um Brennesseln zu schneiden, aus denen Nesselhemden für die Soldaten angefertigt wurden. Im Herbst durchstöberten wir die nahegelegenen Wälder, um Bucheckern zu sammeln. Aus dieser Baumfrucht ließ sich Speiseöl herstellen. 

Dass dieser Arbeitseinsatz unseren Bildungsgang behinderte, versteht sich von selbst. Kantor Lambert ging im Jahre 1921 in den wohlverdienten Ruhestand. Bis zu seinem Tode im Jahre 1927 war er mein Hausnachbar. Ein ehrendes Andenken verdienen aber auch die Hauptlehrer Schmude, Böhling, Klein und Fengler, die treu und pflichtbewusst ihren Dienstobliegenheiten in der Zeit von 1921 bis 1960 nachkamen. Wenn man beim Lesen der Nachlässe dieser Zeit feststellt, dass die Klassenräume unserer Schule erst im Jahre 1934 elektrisches Licht erhielten, so fragt man sich, ob die damals Verantwortlichen im Schulgremium künstliches Licht für überflüssig hielten, oder ob sie nur knapp bei Kasse waren. Ausgelöst durch den nicht endenden Zuzug von Evakuierten und Bombengeschädigten der Großstädte vor dem Ende des 2. Weltkrieges (1945) und durch das Einströmen der Ostflüchtlinge und Ostvertriebenen von 1945 bis 1948 begann unsere Volksschule aus allen Nähten zu platzen. Im Nu war die Zahl der schulpflichtigen Kinder auf 140 angestiegen. Diese Anzahl war für eine zweiklassige Schule nicht mehr zu verkraften.

Abb.3: Acht Schulklassen der Geburtsjahrgänge 1892/93 bis 1900. Die Jüngsten in der unteren Reihe: (von links) Friedrich Schermer, Friedrich Hattendorf, Karl Riechmann, Willi Knief, Wilhelm Kölling, Karl Braun, Heinrich Riechmann, Willi Helle, Sophie Bruns, Emma Görling.
Einschulung des Jahrgangs 1950, am linken Bildrand die um 1900 erbaute Backsteinschule (Bild: Heimatverein Apelern e.V.)

Als Notlösung diente die Einrichtung eines zusätzlichen Klassenraumes im „Alten Schulhaus“ und der Rückgriff auf den Konfirmandenraum im Pastorenhaus. Alle Verantwortlichen der Gemeinde und des Schulzweckverbandes waren sich einig, dass dies kein Dauerzustand bleiben durfte. Man beschloss die Errichtung eines neuen Schulhauses und den Bau von zwei Lehrerwohnungen. Die hierfür notwendigen Planungen liefen im Jahre 1958 an.
Nachdem man Heinrich Mönkeberg für 5 DM pro qm den Bauplatz für das Lehrerwohnhaus abgekauft hatte, ging es so schnell voran, dass die beiden damaligen Lehrer Hüfken und Tenhagen schon Ende 1959 einziehen konnten. Die alten Lehrerwohnungen waren nun leer und der Lehrermangel groß.
Trotz intensivster Bemühungen gelang es der Gemeinde nicht, zusätzliche Lehrkräfte anzusiedeln. Im Jahr 1961 wurde der vierklassige mit geräumiger Pausenhalle ausgestattete Schulneubau seiner Bestimmung übergeben. Gleichzeitig waren die alten Klassenräume von 1900 modernisiert worden. Als Zierde der neuen Pausenhalle dient ein aus dem alten Lehrerhaus (Schulhaus) des Jahres 1839 stammender beschrifteter Balken, dessen Ursprung von Schriftenkennern in das 18. Jahrhundert verlegt wird. Dieser Balken trägt die folgende Inschrift:
„Gott Vater Segne Dieses Haus Das Durch Deine Gnad Gebauet. Treibt Feindschaft Stolz Und Zank Hinaus Und Was Auf Dich Nicht trauet. Stör Alles Was Uns Stören Will. Lass Uns In Diesem Hause Still Dich Freudig Ehren Loben.“

Erwerb eines Grundstückes zum Neubau der Schule.
Dieser Schulerlass betrifft die Abdankung des Kaisers im November 1918 und die Ausrufung der Republik.
Dieses Protokoll betrifft den rechtsgültigen Beschluss über den Schulneubau.

Bald danach wurde nach einer Vereinbarung der Bundesländer, die bekanntlich in unserer Republik nach dem föderalistischen Prinzip die Kulturhoheit besitzen, das 9. Schuljahr für die Hauptschüler eingeführt. Diese für die Bildung unserer Jugend angeblich so wichtige Maßnahme hatte einen weiteren Anstieg der Schülerzahlen zur Folge. Statt des bisherigen achtjährigen Hauptschulabschlusses gab es nun auch einen neujährigen „qualifizierten“ Hauptschulabschluss. Dieses zusätzliche, freiwillige Schuljahr begründete man mit den gestiegenen Anforderungen in der beruflichen Ausbildung.
Hierbei hatte man gänzlich vergessen, dass die über Jahrzehnte hinweg bewährten Realschulen und Gymnasien ihre Existenz noch nicht eingebüßt hatten. Die Schüler des 9. Jahrgangs aus der Gemeinde Apelern wurden in der Rodenberger Stadtschule unterrichtet. Dafür musste der Schulzweckverband Apelern-Lyhren pro Schüler und Jahr anfangs 90 DM, später aber 150 DM an die Gemeinde Rodenberg zahlen. Die von Lehrmeistern, Berufsschulen und von den Industrie- und Handelskammern wiederholt vorgenommenen Prüfungen der Abgänger des 9. Hauptschuljahres haben erwiesen, dass trotz des ganzen Mehraufwandes an Lehrern, Schulzeit und Kosten die erhofften Wirkungen kaum in Erscheinung traten. Die haarsträubenden Mängel und Lücken in Deutsch und Rechnen waren bei diesen Lehrlingen in gleichem Umfang anzutreffen wie bei ihren Vorgängern mit nur acht Schuljahren.

Nach der Schaffung der Samtgemeinde Rodenberg im Jahre 1974 ging die Hauptschule (5. bis 9. Schuljahr) in die Verantwortlichkeit der Samtgemeinde Rodenberg über. Unsere Gemeinde behielt nur die Schüler der Grundschule (1. bis 4. Schuljahr) aus Apelern, Reinsdorf, Soldorf, Lyhren, Großhegesdorf und Kleinhegesdorf. Seit der Gemeindereform mussten im Gebiet der Samtgemeinde Rodenberg insgesamt acht Schulen ihre Pforten schließen. Dafür entstand in Rodenberg ein riesiges Schulzentrum, das noch weiter ausgebaut werden soll. Die Anzahl der Schüler, die täglich mit Schulbussen zu den wenigen Schulzentren gebracht werden, ist beträchtlich. Das tägliche Warten, Hinfahren und Heimfahren sind zusätzliche Strapazen, die die Gesundheit und die Lernverfassung der Schüler beeinträchtigen.

Viel schlimmer wirken sich aber die pädagogischen Nachteile bei den Schulanfängern aus, wenn diese in weiter Entfernung von ihrer dörflichen Umgebung unterrichtet werden müssen. Eine heimatnahe Gestaltung des Anfangsunterrichts ist dadurch überhaupt nicht mehr möglich; denn die Lehrer, die zudem auch noch sehr häufig systembedingt ausgewechselt werden, haben keinerlei Bezug zur engeren Umwelt bzw. zur Heimat des Kindes. Bisher blieben die Apelerner Schulanfänger und Grundschüler vom Schülerpendeln verschont aber wie lange noch? Auch die Rolle des Lehrers als Erzieher und Bezugsperson tritt in den Schulzentren in den Hintergrund, und die Kontakte zwischen Elternhaus und Schule und zwischen Lehrer und Schüler vermindern sich. Ist das die Schule der Zukunft, von der mehr Menschenführung und mehr Menschlichkeit erwartet wird?
Ähnlich wie durch die Gemeindeund Kreisreform explodieren auch die Kosten durch die Schulreform. Unterhaltungs- und Verwaltungskosten sind sprunghaft angestiegen und zahlreiche, neue Belastungen wie Schülerfahrkosten sind hinzugekommen. Der berüchtigte Schulstress, über den heutzutage so viel geredet wird, verschont nicht einmal die Lehrer; denn die meisten haben täglich bereits viele Autokilometer hinter sich, wenn sie die Schule betreten. Auch dieser Umstand verursacht Mehrkosten, die im Gehalt des Lehrers ihren Niederschlag finden müssen. Um dem Leser eine Vergleichsmöglichkeit zu bieten, habe ich mich bemüht, die Kosten für die Unterhaltung unserer Schule vor 75 Jahren (1907) zusammenzustellen.